Die Handelspolitik unter Donald Trump steht unter Druck, doch für die Schweiz hat sich die Lage nicht entspannt. Neue Zölle sind vor Gericht schwerer anfechtbar. Ein Rückblick auf das erste Jahr des Konflikts zeigt wichtige Lehren für die Zukunft. Im November 2025 traf eine Gruppe von Schweizer Unternehmern Donald Trump im Oval Office, um den 39-Prozent-Strafzoll abzuwenden – ein Vorhaben, das sie erfolgreich durchführten. Wenig später konnte Wirtschaftsminister Guy Parmelin eine Vereinbarung mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer unterzeichnen: Der Zollsatz wurde auf 15 Prozent gesenkt, verbunden mit Plänen für ein gemeinsames Handelsabkommen. Ein Moment der Erleichterung durchzog die Schweizer Politik und Wirtschaft. Doch diese Stimmung war von kurzer Dauer, da die US-Regierung im März nach einem Urteil des Supreme Courts Section-301-Untersuchungen gegen wichtige Handelspartner einleitete. Diese Untersuchungen dienen als politisches Druckmittel für potenziell neue Zölle. Der Bundesrat wies diese Vorwürfe zurück und betonte die Fortsetzung der Verhandlungen über ein bilaterales Abkommen. Eine Einigung muss bis zum 24. Juli, dem Abschlussdatum der Untersuchung, stehen, sonst droht eine erneute Erhöhung der Zölle. Auf dieser neuen rechtlichen Basis wären Schweizer Gegenmaßnahmen schwieriger. Rahul Sahgal von der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer meint dazu: Eine sauber durchgeführte Untersuchung würde weniger Angriffspunkte bieten, was eine Aufhebung durch den Supreme Court unwahrscheinlicher macht. Die nächste Verhandlungsrunde ist für April geplant. Trotz der wohlwollenden Haltung von Jamieson Greer steht Staatssekretärin Helene Budliger Artieda vor Herausforderungen, die sich immer wieder ändern. Ein Rückblick offenbart, dass die Schweiz ihre Beziehung zu den USA unterschätzt hatte. Der „Liberation Day“ am 2. April 2025 war ein Hoffnungsschimmer, doch dann kam es zum Eklat nach einem Telefonat von Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter mit Trump und zur Einführung eines 39-Prozent-Zolls. Rahul Sahgal beschreibt die Schweiz als „klein, reich und allein“ in diesem Konflikt. Für die USA ist der schweizerische Markt begrenzt relevant, was die strategischen Bemühungen der Schweiz um eine bessere Verhandlungsposition erschwert. Thomas Borer, ehemaliger Schweizer Botschafter, warnt davor, erneut den richtigen Zeitpunkt für Verhandlungen zu verpassen. Ein entscheidendes Ziel ist ein Zollsatz, der langfristige Sicherheit bietet und durch eine Meistbegünstigungsklausel ergänzt wird. Die Schweiz fehlt jedoch das Freihandelsabkommen mit den USA, was die Verhandlungen erschwert. Nach dem missglückten Telefonat von 2025 setzte die Schweiz alles daran, Zugänge zu Trumps Umfeld zu finden – eine Zeit des Crashkurses in Krisendiplomatie. Jetzt gilt es, robustere Beziehungen zur US-Administration aufzubauen und ein neues Bild der Schweiz als wirtschaftlicher Partner zu schaffen. Der ehemalige WTO-Chefökonom Ralph Ossa mahnt, den Welthandel nicht vorschnell abzuwerten. Trotz Protektionismus in den USA bleibt das regelbasierte Handelsystem weitgehend intakt. Die Schweiz sollte ihre Strategie von aktiver Beteiligung an der WTO und diversifizierten Freihandelsabkommen fortsetzen, da die Ära erhöhter Zölle unter Trump wahrscheinlich andauern wird.