Angesichts der anhaltend hohen Ölpreise setzen asiatische Regierungen auf Energiesparmaßnahmen. In der Schweiz sind die Preisanstiege weniger ausgeprägt als erwartet.
Donald Trumps Rede sollte eigentlich für Beruhigung sorgen, erreichte jedoch das Gegenteil. Der Ölpreis stieg am Donnerstag weiter: Ein Fass Brent kostete über 110 Dollar, ein Plus von knapp sieben Prozent. Die Börsen folgten diesem Trend mit Kursverlusten; der Schweizer SMI verlor 0,8 Prozent.
Trump betonte zwar den baldigen Erreichen der US-Kriegsziele, kündigte jedoch gleichzeitig an, Iran innerhalb von zwei bis drei Wochen “extrem hart” zu treffen, sollte keine Einigung erzielt werden. Diese unklare Perspektive belastet die Märkte weiterhin, insbesondere da ungewiss ist, wie lange die strategisch wichtige Straße von Hormuz blockiert bleibt – das Nadelöhr der globalen Energieversorgung.
Täglich passieren rund 20 Millionen Fass Rohöl diese Meerenge, sie spielt auch eine große Rolle für den LNG-Transport. Länder, stark abhängig von Importen aus dem Nahen Osten, sind betroffen: 80 Prozent der durch die Straße transportierten Ölmengen gehen nach Asien.
Trump schlägt vor, dass die Nutzer der Straße diese übernehmen sollen; Iran sei geschwächt. Laut ihm wird sich die Straße “auf natürliche Weise” nach Kriegsende öffnen.
Viele Länder können jedoch nicht lange warten: Seit Beginn des Konflikts mit dem Iran ist Rohöl um etwa 60 Prozent teurer geworden, und auch die Preise für Gas, Diesel oder Kerosin sind gestiegen. Regierungen versuchen seit Kriegsbeginn den Preisanstieg zu bremsen; Maßnahmen wie das Freigeben strategischer Ölreserven helfen nur kurzfristig.
Langfristig bleibt für einige Länder nur die gezielte Reduktion der Nachfrage, bekannt als “demand destruction”. Der Staat greift oft ein, indem er Beschränkungen verhängt oder zum Energiesparen aufruft. In Asien setzen sich viele Länder mit solchen Maßnahmen auseinander: Die Internationale Energieagentur listet 26 Länder auf, die ihre Nachfrage drosseln wollen. Auf den Philippinen wurde der nationale Notstand ausgerufen, und es kam zu Streiks wegen hoher Benzinpreise.
Um Energie einzusparen, führt Manila eine Viertagewoche für Beamte ein, während in anderen Städten der öffentliche Verkehr kostenlos ist. In Sri Lanka werden nach 21 Uhr Leuchtreklamen abgeschaltet, und in Ägypten arbeiten Beamte wöchentlich von zu Hause aus; Restaurants müssen um dieselbe Zeit schließen.
Der Ölpreisanstieg wirkt sich auch auf Europa aus: Die Inflation in der Eurozone stieg im März auf 2,5 Prozent. Bleibt der Iran-Krieg länger an, könnte sie im Mai die 3-Prozent-Marke überschreiten.
In der Schweiz sind die Folgen weniger stark: Die Konsumentenpreise stiegen laut Bundesamt für Statistik um lediglich 0,3 Prozent. Die Energiewirtschaft ist hier effizienter und der starke Franken macht Importe günstiger.
Zuletzt rief der Bundesrat im Sommer 2022 zum Energiesparen auf; die Kampagne dauerte bis ins Frühjahr 2023. Der Bund greift ein, wenn lebenswichtige Güter knapp werden. Aktuell ist die Energieversorgung gesichert, wobei Preisvolatilität und Gasspeicher für den Winter eine Herausforderung darstellen. Bei Mineralölprodukten besteht kein Engpass.
Trotzdem sind Lieferengpässe durch anhaltenden Konflikt und Blockade der Straße von Hormuz nicht ausgeschlossen.