Im Zuge der Neuverhandlung eines Freihandelsabkommens mit der Schweiz stehen die britischen Medikamentenpreise sowie Patentfragen für Pharmakonzerne im Mittelpunkt. Dies steht in direktem Zusammenhang mit den von US-Präsident Donald Trump angestoßenen Diskussionen, bei denen er die USA mit der Finanzierung der Nato vergleicht und fordert, dass Europäer mehr zur Forschung beitragen sollten. Pharmakonzerne nutzen dies, um höhere Preise zu rechtfertigen.
Grossbritannien hat im Dezember des Vorjahres einen Deal mit den USA getroffen, der eine Erhöhung der Ausgaben für innovative Medikamente um etwa 25 Prozent vorsieht. Dies ermöglicht die Verwendung neuer Arzneimittel, insbesondere gegen Krebs und seltene Krankheiten. Die Bewertungskriterien des NHS haben sich geändert, sodass ein Medikament nun bis zu 35.000 Pfund mehr kosten darf, wenn es das gesunde Lebensjahr eines Patienten verlängern kann.
Im Austausch für diese Änderungen gewährleisteten die USA einen zollfreien Export britischer Medikamente in die Vereinigten Staaten. Trotzdem gab es im Vorfeld des Abkommens Spannungen, da Drohungen von Seiten der Pharmaindustrie zu Investitionskürzungen auf der Insel führten. Unternehmen wie AstraZeneca oder Merck und Eli Lilly haben Projekte in Grossbritannien gestoppt, während AstraZeneca zusätzlich seine Aktien in New York notieren lässt.
Angesichts dieser Entwicklungen verhandelt Grossbritannien nun mit der Schweiz über eine Aufstockung des 2021 in Kraft getretenen Freihandelsabkommens. Dabei spielt die Pharmaindustrie erneut eine zentrale Rolle, da die Schweiz den Abschluss eines erweiterten Patentschutzes anstrebt.
Es geht um ergänzende Schutz-Zertifikate, mit denen die Laufzeit von Patenten um bis zu fünf Jahre verlängert werden kann. Dies soll Entwicklungsverzögerungen ausgleichen, da Medikamente oft erst spät nach der Anmeldung auf den Markt kommen.
Laut dem Magazin “Politico” gibt es in der britischen Administration Vorbehalte gegen die feste Verankerung dieser Praxis, da dies zu einer langfristigen Bindung an eine pharmafreundliche Regulierung führen könnte. Eine längere Patentlaufzeit würde den Markteintritt von Generika verzögern und das Gesundheitssystem verteuern.
Trotz offener Fragen in Bezug auf geistiges Eigentum ziehen sich die Verhandlungen mit Grossbritannien hin, da sich theoretisch nichts ändern würde, solange keine Änderung des Patentregimes im eigenen Land erfolgt. Als bedeutender Pharma-Standort strebt die Schweiz nach wie vor einen hohen Schutz für geistiges Eigentum in Handelsverträgen an, ein Interesse, das auch in britischen Kreisen weiterhin Bestand hat – verstärkt durch Trumps Bemühungen um Investitionen der Pharmaindustrie in den USA.