Der Leiter des grössten Medienkonzerns der Schweiz, Marc Walder, warnt vor einem bevorstehenden Massensterben von Regional- und Lokalzeitungen in der digitalen Ära. Diese Entwicklung wird auch den traditionsreichen Verlag Ringier stark beeinflussen.
Marc Walder äussert sich selten zögerlich über die Medienkrise, das Zeitungssterben oder die Bedrohung durch KI. Doch zu dem Thema, wie es um Ringier als Familienunternehmen steht, fällt ihm wenig ein. Kurz vor Ostern verkündete das Unternehmen den überraschenden Rücktritt von Robin Lingg, der die Gründerfamilie in sechster Generation vertrat und als möglicher Nachfolger für Michael Ringier galt.
Gemäss Quellen soll sich der Verwaltungsrat gegen Linggs Aufstieg ausgesprochen haben. Dieser Entscheid wurde durch Linggs Leistungen bei den Sportportalen in Ost- und Südeuropa beeinflusst, welche nicht die gewünschten Ergebnisse brachten.
Mit dem Abgang von Lingg stellt sich die Frage nach der zukünftigen Rolle der Familie im Unternehmen. CEO Walder sieht seine anspruchsvollste Aufgabe darin, das Familienunternehmen zu erhalten, obwohl keine weiteren internen Nachfolger für Führungspositionen in Sicht sind.
Walder beschreibt Linggs Rücktritt als bewussten Entscheid, um eigene Projekte zu verfolgen. Trotz der unterdurchschnittlichen Leistung von Linggs Sportmedien-Gruppe sieht Walder das Potenzial dieser Gruppe nicht in Gefahr.
Es bleibt ungewiss, ob Ringier an eine Private-Equity-Firma verkauft wird, doch Walder betont die Tradition und Langlebigkeit des Unternehmens. Er hält auch den Verwaltungsrat für gut ergänzt durch KI-Technologien und sieht in der Integration von digitalen Werkzeugen eine Notwendigkeit für jeden CEO.
Die Medienindustrie erlebt seit 25 Jahren tiefgreifende Umbrüche. Ringier hat zwar aktuell keinen Personalabbau zu verzeichnen, doch prognostiziert Walder markante Verschiebungen in der Zukunft.
Der Rückgang des Print-Werbemarktes um 78 Prozent und die Konzentration von digitalen Werbeausgaben auf wenige große Plattformen verschärfen die Lage weiter. Laut Walder könnten nur noch drei Medienmarken wirtschaftlich überleben: NZZ, Blick und 20 Minuten.
Walder erwartet, dass digitale Geschäftsmodelle für Regionaltitel und Lokalpublikationen nicht tragbar sein werden. Er sieht in starken Marken wie dem «Blick» weiterhin ein funktionierendes Modell aufgrund ihrer Präsenz in sozialen Medien.
Die Zukunft der Printtitel von Ringier wird kontinuierlich überprüft, wobei das Ziel stets darin besteht, profitabel zu bleiben. Walder gibt jedoch zu bedenken, dass viele der heutigen Publikationen digital nie relevant sein werden.
KI-Technologien könnten zwar traditionelle Arbeitsplätze verändern oder ersetzen, doch sieht Walder die Möglichkeit neuer Jobmöglichkeiten und Geschäftsmodelle durch diese Entwicklung. Er betont jedoch auch, dass die Börse nicht unbedingt den gegenwärtigen Zustand widerspiegelt, sondern vielmehr zukünftige Entwicklungen antizipiert.