Die Zuger Regierung bietet Ringier eine finanzielle Absicherung an, falls die geplante Sonderausgabe der “Handelszeitung” zu Standortzug nicht kostendeckend ist. Dies wirft Fragen bezüglich möglicher Einflussnahme auf. Der Medienkonzern, bekannt für Titel wie “Blick”, dem “Beobachter” und der “Schweizer Illustrierten”, profitiert von einer Defizitgarantie des Kantons Zug.
Gemäß einem Sitzungsprotokoll vom 17. März beschloss die Regierung binnen zwei Wochen nach Kontaktaufnahme durch die Zuger Wirtschaftskammer (ZWK) und Finanzdirektor Heinz Tännler die Unterstützung für ein zehnseitiges Sonderheft, das Zug als Standort präsentiert. Die Themenwahl erfolgt in Abstimmung zwischen der ZWK und der Redaktion.
Das Projekt wird von der Regierung als wertvolles Instrument für das Standortmarketing angesehen, da die “Handelszeitung” eine bedeutende Leserschaft hat. 25’000 Franken trägt die Regierung zur Defizitgarantie bei, während die ZWK den Rest beisteuert.
Der Einsatz des neuen OECD-Topfes für diese Förderung wird damit begründet, dass es sich um ein innovatives Vorhaben handelt, das Zug als Innovationsstandort positioniert. Der Topf wurde nach der Einführung der globalen Mindeststeuer 2024 ins Leben gerufen und dient zur Standortentwicklung.
Heinz Tännler weist darauf hin, dass es sich nicht um Medienförderung im rechtlichen Sinne handelt. Die Handelszeitung sei lediglich das Medium für die Förderung des Standorts Zug. Auch Ringier bestätigt seine redaktionelle Unabhängigkeit.
Das Bundesamt für Kommunikation und der Presserat sehen in dieser Kooperation kein Problem bezüglich Medienunabhängigkeit, sofern es sich nicht um bezahlte Inhalte handelt. Der Verlegerverband betrachtet das Vorhaben als projektbasierte Innovationsförderung.
Regierungsrat Tännler betont, dass dies ein Einzelfall sei und keine neue Politik zur Finanzierung von Standortmarketing über Medienbeilagen darstelle. Ringier verweist auf ähnliche Kooperationen in anderen Regionen der Schweiz.
Die Frage nach Geld gegen Einfluss bleibt jedoch offen, da die Regierung bei der Themenwahl mitreden kann.