Im Jahr 1968, einem turbulenten Zeitraum in den USA, sorgte die Mondumrundung der Apollo 8-Crew für einen versöhnlichen Ausklang. Heute hofft man, dass die Artemis-2-Mission eine ähnliche inspirierende Wirkung entfalten wird.
Am 24. Dezember 1968 umkreisten Bill Anders und seine Kollegen erstmals den Mond. Das berühmte Erdaufgangsfoto bleibt unvergessen: “Wir kamen, um den Mond zu erforschen, doch wir haben die Erde entdeckt,” sagte Anders später. Es folgten acht weitere Mondmissionen bis 1972.
58 Jahre danach startete das Space Launch System der Nasa vom Kennedy Space Center Richtung Mond. Die Artemis-2-Mission soll von vier Astronauten, angeführt von Reid Wiseman, geleitet werden. Mit Victor Glover als erstem Afroamerikaner, Christina Koch als erster Frau und Jeremy Hansen als erstem Kanadier an Bord wird Vielfalt betont.
Diese Mission findet in einer Zeit gesellschaftlicher und politischer Konflikte statt, ähnlich wie 1968. Damals waren die USA von Massenunruhen und dem Vietnamkrieg geprägt. Ralph David Abernathy kommentierte: “Es gibt mehr Distanz zwischen den Rassen als zwischen Erde und Mond.” Lewis Mumford kritisierte die Mondmissionen, da immense Summen investiert wurden, während irdische Bedürfnisse vernachlässigt blieben.
Auch im Kalten Krieg war der Wettlauf zum Mond ein zentrales Thema. Guenter Wendt berichtete von sowjetischen Spionageschiffen vor Cape Kennedy und von einer dramatischen Beinahe-Entführung in Berlin.
Die Rückkehr der Apollo 8-Crew ließ die Schrecken des Jahres 1968 vergessen und löste eine Welle von Euphorie aus. Der Name Apollo wurde zum Symbol für technologischen Fortschritt, inspirierte Kulturprodukte wie “Star Wars” und trug zur Umwelt- und Friedensbewegung bei.
Während die Artemis-2-Mission Parallelen zu 1968 aufweist, gibt es auch Unterschiede. Die Risikobereitschaft ist heute geringer; Nasa-Statistiker schätzten damals die Erfolgschance für Apollo 8 nur auf 50 Prozent. Für Artemis 2 wird eine Quote von 90 bis 99,63 Prozent genannt, basierend auf den Statistiken der jüngsten ISS-Flüge.
Ein wichtiges Sicherheitsmerkmal der Artemis-2-Mission ist die “freie Rückkehrbahn”, die selbst bei Problemen eine sichere Erde-Rückkehr ermöglicht. Im Gegensatz dazu musste Apollo 8 in einer niedrigen Mondumlaufbahn operieren, was das Risiko erhöhte.
Artemis-2 wird den Mond mit über 7500 Kilometern Abstand umkreisen – ein sichereres Vorgehen als bei der Vorbereitung der Landemodule durch Apollo. Während der Erdaufgang vielleicht nicht so spektakulär sein wird wie damals, könnte er das Bewusstsein für die Einzigartigkeit der Erde schärfen. Jim Lovell sagte einst: “Die Menschen verbringen ihr Leben damit, Angst zu haben, nicht ins Paradies zu gelangen, ohne zu erkennen, dass sie bereits im Paradies geboren wurden: auf der Erde.”