Archäologen haben perfekt erhaltene Objekte aus einer römischen Spedition geborgen, die vor zweitausend Jahren im Neuenburgersee versank. Dieser Fund beleuchtet das ausgeklügelte Transportwesen des Römischen Reiches.
Transportunternehmen in der Antike handelten mit internationalen Waren wie Olivenöl aus Spanien, Wein aus Südfrankreich und Leinentuch aus Ägypten. Die kostengünstigste Methode war die Wassertransporte, da diese bis zu fünfzigmal günstiger waren als Landwege.
Schweizer Archäologen haben nun das erste Mal eine solche Binnenschiffsladung im Neuenburgersee entdeckt, unberührt seit zweitausend Jahren. Diese Entdeckung wirft viele Fragen auf, wie etwa den genauen Verbleib des Schiffes selbst.
Seit einigen Jahren untersuchen Archäologen den See nach Wracks, um sie zu dokumentieren und zu schützen. Im November 2024 identifizierte man auf einem Drohnenbild einen Fundort, der sich als die Ladung eines Schiffs herausstellte. Diese bestand hauptsächlich aus Keramikgefäßen des ersten Jahrhunderts n.Chr., in einer Zeit, als Eburodunum ein wichtiger Hafen war.
Die Objekte waren lange von Sediment bedeckt und wurden erst durch die Gewässerkorrektur im 19. und 20. Jahrhundert freigelegt. Ihre gute Erhaltung wird darauf zurückgeführt, dass sie jahrzehntelang geschützt unter Wasser lagen. Trotzdem sind sie nun akut bedroht.
Erste Tauchungen fanden im März 2025 und erneut 2026 statt. Die Fundstücke umfassen hunderte Stück Keramikgeschirr sowie zwei Amphorenbruchstücke für Öl oder Wein, was auf einen eher lokalen Transport hinweist.
Christa Ebnöther von der Universität Bern vermutet eher Lebensmittel als Ladung, da Olivenöl bereits in großen Mengen nach Italien gebracht wurde. Die Funde belegen, dass die Logistik römischer Versorgung nicht nur Nahrungsmittel umfasste.
Zusätzlich wurden Pferdegeschirr und Wagenteilteile geborgen, was darauf hindeutet, dass Landtransporte unverzichtbar waren. Auch zwei Schwerter und militärische Ausrüstungsgegenstände legen nahe, dass möglicherweise eine Eskorte das Schiff begleitete.
Obwohl mehrere römische Wracks aus dem Neuenburgersee geborgen wurden, ist unklar, welches Schiff diese Ladung transportierte. Die genauen Umstände des Untergangs bleiben ein Rätsel und werfen Fragen zur Reaktion der Auftraggeber auf.