Bruno Blum, ein ehemaliger Bleisetzer und Werber, hat sich unerwartet in der Welt der Schokoladenherstellung wieder gefunden. Ursprünglich nicht an dieser Branche interessiert, führte seine Synästhesie – eine Fähigkeit, bei der Sinneswahrnehmungen gekoppelt sind – ihn zur Perfektionierung seiner eigenen Tafel. Diese neurologische Besonderheit ermöglicht es ihm, Geschmack und Geruch in Klänge zu übersetzen: “Ich habe sehr gerne dunkle Schoggi, aber ich habe keine gefunden, die mir wirklich schmeckt”, erklärt Blum. Die Synästhesie ist ein Phänomen, bei dem bis zu vier Prozent der Menschen betroffen sind und das für sie eine besondere Wahrnehmung darstellt.
Für Bruno Blum bedeutet dies, dass Klänge oder Harmonien entstehen, wenn er Zutaten riecht oder schmeckt. Diese Fähigkeit half ihm bei der Entwicklung seiner Schokolade: “Es ist nicht nur das Riechen der Zutaten, sondern deren Geschmack im Mund, der Klänge von Instrumenten auslöst”, sagt Blum. Jedes Zutat wird zu einem Instrument und die fertige Schokolade zum Orchester.
Ein Wendepunkt war die Zugabe von Birkenzucker, welcher den Klang einer Triangel in ihm hervorrief. “Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich sagen konnte, jetzt hab ich es”, beschreibt Blum diesen Höhepunkt seiner Schokoladenkomposition.
Aufgewachsen ist der Solothurner, heute in Biberist SO lebend, zusammen mit einem Bruder. Die Schulzeit war für ihn eine harte Prüfung: “Die Schule war die schlimmste Zeit in meinem Leben”, erzählt Blum. Lang anhaltende Bauchschmerzen während der Bezirksschule und ein Lehrer, dessen Unterrichtsstoff ihn nicht interessierte, führten dazu, dass er sich nie wirklich integrieren konnte.
Ein Song von Toni Vescoli gab ihm Kraft: “Ich mache was ich will” wurde sein Leitspruch. Er überprüfte stets, ob die Worte noch für ihn galten und passte sie an, wenn nötig.
In seiner Zeit als Schriftsetzer erlebte Blum den Umbruch vom Bleisatz hin zur Digitalisierung mit: “Ich komme mir vor wie ein wandelndes Museum”, sagt er rückblickend. Nach der Lehre machte er sich selbstständig und folgte seinem Freiheitsdrang, was sowohl neue Ideen als auch Rückschläge mit sich brachte.
Bruno Blum ist oft unsicher über seine Wirkung auf andere: “Ich merke nicht, wenn ich anderen auf den Wecker gehe”, meint er. Seine Lebensphilosophie basiert auf den Sätzen “Es ist, wie es ist” und “Es kommt schon gut”, die tief in seinen Unterarmen verewigt sind.
Sein Mut, neue Wege zu beschreiten, zeigt sich sowohl in seiner Schokoladenproduktion als auch in seinem Streben nach Selbsterkenntnis. Radio SRF 1 berichtete über ihn am 29. März 2026 um 10 Uhr.