Автор: Isabelle Dahinden
Im Luzerner Mandarin Oriental, Zimmer 336 mit Blick auf den Vierwaldstättersee und Pilatus im Gegenlicht der Märzsonne, lebt Jonas Nagel seit einem Jahr. Sein offizieller Wohnsitz ist ein Hotelzimmer – eine Wahl, die er als durchdachtes Geschäftsmodell betrachtet. Im Bad sind Handtücher mit den Initialen J.N. ausgelegt, und auch auf dem Tisch liegt ein Feldstecher neben einer ungewöhnlichen Wohnsitzbestätigung.
Nagel, 27 Jahre alt, zieht seit einem Jahr zwischen Hotelzimmern um und sieht darin eine effiziente Wohnform, ohne dass Luxus eine Rolle spielt. Trotz seines minimalistischen Erscheinungsbildes in Nikes, Bluejeans und weissem T-Shirt – er besitzt jedes dieser Kleidungsstücke etwa 50 Mal – hebt sich seine Rolex vom Rest ab. Er öffnet die Tür für andere, zeigt Höflichkeit.
Das Mandarin Oriental bietet Nagel einen besonderen Deal, dank dem er mindestens halbjährlich hier lebt, indem er nur anwesende Nächte bezahlt – Details zum Preis hält er zurück. Seine Entscheidung, von einem Berliner Hinterhof in die Schweiz zu ziehen, begründet er mit Sicherheitsbedenken und Ablehnung in der Hauptstadt.
Nagel durchstöbert täglich Immobilieninserate, hat viele Wohnungen besichtigt, aber nur wenige fanden seinen Geschmack. Er plant, bis zu sechs Jahre im Mandarin Oriental zu bleiben und träumt von einem selbstgebauten Haus in Luzern.
Sein Leben ist stark auf Arbeit ausgerichtet: Reisen, Social-Media-Management für Prominente, Marketing und Investment stehen im Fokus. Seine Unternehmen erzielen 8-stellige Umsätze, unterstützt durch Erspartes und Investitionen.
Nagel minimiert persönliche Ausgaben: Kein Netflix-Abo, keine teuren Weine oder schnell an Wert verlierende Markenkleidung – stattdessen nutzt er «Travel Hacking», um Flüge kostenlos zu buchen. Sein Verhältnis zu Geld ist geprägt von Optimierung und Genauigkeit.
Im Hotel hat Nagel Freundschaften geschlossen, die ihn als Gäste über das Normale hinaus schätzen. Er genießt den Anschluss und die persönliche Betreuung des Personals, obwohl er auch die ständige Beobachtung in einem 24-Stunden-Hotel kennt.
Trotz seines luxuriösen Lebensstils vermeidet Nagel die Präsidentensuite – 8000 bis 12’000 Franken pro Nacht sind für ihn unnötig. Er bevorzugt effiziente Räumlichkeiten und sieht sein Modell als realistische Option, wenn man Ausgaben optimiert.
Verwendete Quellen: Persönliches Gespräch mit Jonas Nagel; Instagram- und Linkedin-Account von Jonas Nagel; Webseite des Hotel Mandarin Oriental.