In einem historischen Flug nähert sich das Raumschiff Orion dem Mond und wird heute Abend die weiteste Entfernung von der Erde seit Jahrzehnten zurücklegen. Die Nasa beschreibt dies als zentrale Etappe der Artemis-2-Mission, bei der Orion am Montag in die Mondeinflusssphäre eintrat. Dort überwiegt die Mondschwerkraft auf das Raumschiff, woraufhin Triebwerke gezündet wurden, um die Flugbahn zu verfeinern, wie auf dem Portal X mitgeteilt wurde.
Erstmals seit der Apollo-17-Mission 1972 haben Astronauten den erdnahen Weltraum wieder verlassen. Die Crew von Artemis-2 besteht aus Reid Wiseman, Christina Koch und Victor Glover sowie Jeremy Hansen aus Kanada – für ihn ist es ein Debüt im All.
Vor vier Tagen startete das Team mit dem Space Launch System vom Cape Canaveral in Florida um 0:35 Uhr MEZ. Sie sind die erste Besatzung, die dieses Raketenmodul verwendet; zuvor fand ein unbemannter Testflug statt.
Am Montagabend wird Orion den Mond auf einer Entfernung von 7.500 Kilometern umkreisen, wobei die Astronauten sowohl Mond als auch Erde sehen können. Die Nasa plant, dass sie hochauflösende Fotos machen und bisher unbekannte Mondgebiete beobachten, einschließlich der Rückseite des Mondes.
Am Abend wird ein neuer Distanzrekord aufgestellt: die Astronauten werden sich weiter von der Erde entfernen als je zuvor. Der alte Rekord stammt von Apollo-13 im Jahr 1970 mit rund 400.171 Kilometern, doch damals näherten sie sich dem Mond bis auf 110 Kilometer.
Die Artemis-2-Mission basiert auf den Erkenntnissen der unbemannten Vorgängermission Artemis 1 von 2022, bei der eine Sensorenpuppe im Kommandantenplatz saß. Orion wird am Samstag mittels Wasserung im Pazifik vor San Diego zur Erde zurückkehren.
Die Mission bereitet eine bemannte Mondlandung für 2028 vor – das erste Mal seit Apollo, dass Astronauten wieder den Mond betreten werden sollen. Langfristig plant die Nasa, bis zu zehn Jahre lang Drohnen, Rover und mehr auf dem Mond zu stationieren, um dauerhafte Forschung zu ermöglichen.
Zuletzt musste die Nasa jedoch einräumen, dass das ursprünglich für 2027 geplante Ziel unrealistisch ist.