Die Artemis 2-Mission symbolisiert mehr als nur den Wettstreit zwischen Nationen. Weltraumexperte Kai-Uwe Schrogl von der Uni Tübingen sieht darin eine Fortsetzung des Wettkampfes im All, dieses Mal nicht gegen Russland, sondern China. Der symbolische Wert und das Machtgefüge spielen laut Schrogl eine entscheidende Rolle für die USA: «Ohne Chinas ambitioniertes Mondprogramm würde man den starken amerikanischen Drang, erster zu sein, wahrscheinlich nicht so sehen.» Ein weiterer bedeutender Wettbewerb um die Vorherrschaft im All ist aus seiner Sicht derzeit nicht erkennbar.
Schrogl prognostiziert zukünftige Mondlandungen und dauerhafte Stationen sowohl von den USA als auch China, mit einem Fokus auf mögliche Bergbauaktivitäten. Besonders Helium-3 könnte im Zentrum stehen, da es als Grundlage für Kernfusion und saubere Energie gilt. Auf der Erde selten, wird es auf dem Mond in größeren Mengen vermutet.
Trotz des Potenzials ist die Realisierung von Helium-3 mit hohen Kosten verbunden; technologische Fortschritte sind noch nicht ausreichend, wie Schrogl betont: «Die Euphorie bezüglich der schnellen Verwirklichung sollte gemäßigt werden.» Im Gegensatz dazu verfolgt Europa einen schrittweisen Ansatz in der Mondforschung mit wissenschaftlichen und technologischen Zielen durch Projekte wie den ESA-Mondlander Argonaut.
Aktuell ist Artemis 2 nicht auf die Gewinnung seltener Erden ausgerichtet, obwohl solche Rohstoffe für zukünftige Programme von Interesse sein könnten. Laut Schrogl sind Asteroiden in dieser Hinsicht attraktiver als der Mond: «Die wirtschaftliche Rentabilität muss bei einem künftigen Schürfen aufrechterhalten werden.»
Schrogl glaubt, dass ein Rennen um die Schürfrechte ähnlich wie auf der Erde entstehen könnte. Er wünscht sich jedoch eine multilaterale Regelung durch eine internationale Behörde für nachhaltige Praktiken: «Die Organisation sollte sicherstellen, dass die Aktivitäten umweltverträglich sind.»