In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Rolle der SRF Digitalredaktion drastisch gewandelt, wie ihr Leiter Guido Berger schildert. Er beschreibt eine Entwicklung von anfänglicher Begeisterung hin zu heutiger Überforderung und erklärt, warum künstliche Intelligenz so beunruhigend wirkt.
Guido Berger, Historiker und ehemaliger Programmierer, trat 2006 der frisch gegründeten SRF Digitalredaktion bei. Dort erklärte er zunächst dem Publikum neue digitale Technologien und Games. Seit 2011 leitet er die kleine vierköpfige Redaktion.
In einem Gespräch mit SRF News äußert sich Berger zur Veränderung seiner Rolle als Digital-Journalist: Früher waren sie quasi Berichterstatter aus der digitalen Welt. Heute leben alle in dieser Welt, und ihre Aufgabe ist es geworden, als Fremdenführer zu fungieren, die Neues einordnen und vertiefen.
Früher herrschte Euphorie um neue Technologien: Man träumte vom globalen Dorf oder sah im Arabischen Frühling den Sturz autoritärer Regime durch soziale Medien wie Facebook. Der Wendepunkt kam, als klar wurde, dass auch diese Regimes das Internet für ihre Zwecke nutzten und Panzer stärker seien als Smartphones. Heute stehen wir vor Dystopien – bei jeder neuen Entwicklung denken viele sofort an negative Szenarien wie den Terminator oder Massenarbeitslosigkeit.
Berger sieht die gegenwärtige Überforderung durch die Komplexität neuer Technologien als Teil einer fundamentalen Veränderung. Die Technologie ist komplizierter geworden, und ihre Komplexität trifft uns pausenlos über Geräte wie das iPhone.
Mit künstlicher Intelligenz steigt diese Komplexität noch weiter an: Während frühere Algorithmen nachvollziehbar waren, arbeiten neue Sprachmodelle statistisch und lassen selbst Entwickler oft im Unklaren darüber, warum ein bestimmtes Wort gewählt wird. Diese Unvorhersehbarkeit erinnert uns an das Verhalten von Lebewesen und ist daher unheimlich.
Um diese Überforderung zu bewältigen, betont Berger die Wichtigkeit des Engagements: Statt in eine Verweigerungshaltung zu verfallen, sollten wir uns mit den neuen Technologien beschäftigen und lernen. Die digitale Transformation hat ihren Anfang vor etwa 80 Jahren genommen und wir befinden uns noch mitten darin.
Berger ist überzeugt: Als Gesellschaft können wir die Entwicklung beeinflussen. Es sei falsch, Technologie einen eigenen Willen zuzuschreiben – sie wird von Menschen erschaffen und durch gesellschaftliche Anwendung geformt. Dieser Prozess erfordert ständige Verhandlungen darüber, wie wir Technologien in unseren Alltag integrieren und regulieren.
Das Gespräch wurde von Simone Hulliger geführt und im Tagesgespräch am 30. März 2026 ausgestrahlt.