In den 1970er Jahren waren die Kernkraftwerke so groß wie möglich, heute setzt man auf kleinere, flexible Einheiten. Sicherheit spielt dabei eine nachgeordnete Rolle.
Ursula von der Leyen gab zu, dass der Rückzug aus der Kernenergie ein strategischer Fehler war, und kündigte am 10. März beim Weltgipfel für Kernenergie in Paris die Förderung neuer Reaktoren an. Die EU stellt dafür 200 Millionen Euro bereit.
Als Pioniere der nuklearen Renaissance sollen kleine modulare Reaktoren dienen, die serienmäßig hergestellt werden können und zwischen 50 bis 300 Megawatt liefern – weniger als aktuelle Kraftwerke mit über 1000 Megawatt. Annalisa Manera von der ETH Zürich betont, dass dies zwar nicht zu sinkenden Stromkosten führt, aber das Risiko für Bauverzögerungen reduziert.
Andreas Pautz vom Paul-Scherrer-Institut erklärt, dass die Konkurrenz heute durch erneuerbare Energien gegeben ist, deren Produktion wetterabhängig schwankt. Für diese Situation sind Reaktoren geeignet, die schnell reguliert und je nach Bedarf eingestellt werden können.
Die EU plant, solche Reaktoren Anfang der 2030er Jahre in Europa bereitzustellen. Während viele Firmen Pläne haben, sind bisher nur Russland und China im Bau. Am praktikabelsten erscheinen wassergekühlte Reaktoren dritter Generation, für die Technologien verfügbar sind.
Der BWRX-300 von GE Vernova Hitachi, ein passiv gekühltes Modell mit 300 Megawatt, steht in Kanada kurz vor der Inbetriebnahme und könnte europäisches Interesse wecken. Rolls-Royce plant Druckwasserreaktoren für Großbritannien und Tschechien.
Trotz Flexibilität bieten modulare Reaktoren dritter Generation im Störfall kaum Vorteile, da Sicherheitssysteme bereits ausgereift sind. Der Atommüll entspricht dem von größeren Reaktoren.
Reaktoren der vierten Generation versprechen mit innovativen Kühlmitteln und effizienterem Brennstoffverbrauch Vorteile in Kosten, Sicherheit und Abfallreduktion. Technische Herausforderungen wie Korrosion durch geschmolzenes Salz oder Entflammbarkeit von Natrium sind jedoch zu meistern.
In Russland, China und Indien laufen bereits natriumgekühlte Reaktoren. Bill Gates’ Terra Power will in den USA ein solches Projekt umsetzen.
Eine europäische Industrie-Allianz koordiniert seit 2024 die Entwicklung kleiner modulbarer Reaktoren, wobei Projekte wie der Rolls-Royce-Reaktor und europäische BWRX-300 in den Fokus rücken. Während sich diese Technologien weiterentwickeln, sind kleinere wassergekühlte Modelle bereits marktreif.
Manera sieht die Energiekrise als Auslöser für die neue Akzeptanz und betont den Bedarf dezentraler Stromquellen. Obwohl modulare Reaktoren sinnvoll seien, bleiben große Kernkraftwerke nach ihrer Einschätzung der Schlüssel zur Deckung des zukünftigen Energiebedarfs.
Pautz schließt mit der Erwartung, dass neue große Kraftwerke den Hauptteil des zukünftigen nuklearen Parks ausmachen werden.