In der Schweiz verbieten immer mehr Kantone Smartphones an Schulen. Gleichzeitig sind Handys für Kinder und Jugendliche ein fester Bestandteil des Alltags.
Schon sechsjährige Schulanfänger besitzen teilweise bereits eigene Smartphones, so die James-Studie der Stiftung Kinderschutz Schweiz. Bis zum Ende der Primarschule steigt dieser Anteil auf rund 80 Prozent, in der Oberstufe sogar auf 99 Prozent.
Da es kein nationales Gesetz gibt, entscheiden Kantone, Gemeinden und Schulen selbst über die Nutzung von Smartphones. Dennoch zeigt sich ein Trend: Viele Kantone wollen sie komplett aus dem Schulalltag verbannen.
So hat der Kanton Tessin sein Handyverbot auf die gesamte obligatorische Schule ausgeweitet, in Kraft seit Ende März 2026. Auch Nidwalden, Aargau und das Wallis haben ab dem Schuljahr 2025/26 ein Verbot für private elektronische Geräte eingeführt. Smartphones, Smartwatches, Tablets und Laptops dürfen grundsätzlich nicht verwendet werden – während Unterricht, Pausen und schulischen Anlässen. Ausnahmen sind nur für Unterrichtszwecke oder gesundheitliche Gründe erlaubt.
Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigt, dass sich mehr als 80 Prozent der Befragten für ein Handyverbot aussprechen. Lehrkräfte hingegen äußern differenziertere Ansichten. Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz sieht laut «Swissinfo» in einem generellen Verbot keinen unbedingt sinnvollen Schritt.
Regeln, die mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam erarbeitet werden, gelten oft als wirksamer. Praktische Beispiele zeigen, dass Smartphones auch für alltägliche Dinge genutzt werden – wie Busfahrpläne zu überprüfen oder zu bezahlen. In Seengen im Aargau musste nach einem Handyverbot der Pausenkiosk Twint abschaffen.
Der Kanton Aargau zieht dennoch nach einem halben Jahr eine positive Bilanz: Lehrkräfte müssen Regeln weniger erklären, und Schülerinnen sowie Schülern kommunizieren in den Pausen wieder häufiger direkt miteinander («Swissinfo»).
Experten betonen jedoch, dass Verbote alleine nicht ausreichen. Entscheidend ist auch Prävention und ein bewusster Umgang mit digitalen Medien.
Kritik kommt vom Zürcher Kantonsschullehrer und Digitalexperten Philippe Wampfler, der das generelle Smartphoneverbot als zu kurz gedacht ansieht. “Das Verbot ist eine schnelle, einfache Lösung, um einer komplexeren Lösung aus dem Weg zu gehen”, so seine Aussage gegenüber einer Plattform.
Wampfler sieht das eigentliche Problem nicht in den Geräten selbst, sondern kritisiert die Geschäftsmodelle vieler Plattformen mit Endlos-Feeds, personalisierten Algorithmen und Belohnungsmechanismen wie Likes. Er sagt: “Es ist verlogen, wenn Politiker solche Kampagnen unterstützen, sich aber gleichzeitig weigern, diesen Firmen klare Vorgaben zu machen.”