China spielt eine doppelte Rolle im myanmarischen Bürgerkrieg, indem es sowohl der Junta als auch einzelnen Rebellenarmeen Unterstützung gewährt. Dies geschieht in der Absicht, Zugang zu seltenen Erden und strategische Vorteile am Indischen Ozean zu sichern, während Myanmar von Chaos zerrissen wird.
Oftmals geraten periphere Konflikte aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Doch bestimmte Mächte profitieren davon – so auch China im Fall Myanmars. Während westliche Nationen den Konflikt ignorieren, nutzt Peking diese Gelegenheit zur eigenen Machtpolitik.
Ein zentraler Grund für das andauernde Chaos seit fünf Jahren ist Chinas Einfluss. Die Junta behauptet sich mit chinesischer Unterstützung an der Macht, obwohl sie nur noch über Teile des Landes verfügt und kaum Bevölkerungsunterstützung genießt.
Myanmar erlebt eine Pattsituation: Rebellen kontrollieren Grenzgebiete sowie wichtige Infrastruktur. Die Junta hält zentrale Städte wie Yangon und Naypyidaw, während sie sich durch Scheinwahlen einen demokratischen Anstrich verleiht – alles dank Chinas Unterstützung.
China pflegt sowohl Kontakte zur Junta als auch zu einzelnen Rebellen. Es liefert Waffen, Energie und Infrastruktur, um Druck auszuüben oder Verhandlungen zu beeinflussen. Beide Seiten finanzieren ihren Konflikt mit Mitteln aus China, was eine Abhängigkeit schafft.
Pekings Strategie ist klar: Es will seine Lieferketten sichern und Milliardenprojekte schützen. Obwohl eine stabile Militärdiktatur bevorzugt wäre, akzeptiert China den fragmentierten Zustand Myanmars, um Vorteile daraus zu ziehen.
Wirtschaftlich sind die Interessen Chinas in Myanmar beträchtlich: Über die Hälfte der seltenen Erdeinfuhren und bis zu 90 Prozent der schweren Seltenen Erden stammen aus dem Land. Diese Rohstoffe sind essenziell für Elektrofahrzeuge und Drohnen.
Strategisch bedeutend ist auch das chinesische Projekt in Kyaukphyu, wo ein Tiefseehafen den Zugang zum Indischen Ozean sichern soll. Dieses Vorhaben dient dazu, die Abhängigkeit von der potenziell blockierbaren Straße von Malakka zu reduzieren – durch diese passiert etwa 80 Prozent des chinesischen Ölimports und zwei Drittel seines Seehandels.
Zudem hat China ein Interesse an der Sicherung seiner 2100 Kilometer langen Grenze, um Konflikte und Flüchtlingsströme in die Provinz Yunnan zu verhindern. Die dortigen Behörden pflegen seit Jahrzehnten Kontakte zu den Rebellen.
Die Zweideutigkeit der chinesischen Strategie zeigte sich nach dem letzten Erdbeben, bei dem über 3700 Menschen ums Leben kamen. China versuchte sein Image aufzubessern und bot Hilfen im Wert von etwa 137 Millionen Dollar an – gleichzeitig lieferte es jedoch Kampfflugzeuge und Drohnen an die Junta.
Die Armee nutzte diese Unterstützung, um Oppositionsziele zu bombardieren und Rettungsaktionen zu behindern. China zwang das Regime auch dazu, private Sicherheitsfirmen einzusetzen, welche aus ehemaligen Militär- und Polizeikreisen rekrutiert werden.
Der Westen könnte durch verstärkte Unterstützung für die prodemokratische Exilregierung und lokale Rebellengruppen Einfluss nehmen. Doch momentan hat China freie Hand, um seine Interessen ohne Rücksicht auf Frieden und Stabilität zu verfolgen.