Rudolf Strahm, ehemaliger Nationalrat und einflussreicher Sozialdemokrat, äußert sich besorgt über den Umgang seiner Partei mit der 10-Millionen-Schweiz-Initiative. Im Gespräch in Bern zeigt er Verständnis für jene, die dem Vorhaben zustimmen möchten, kritisiert jedoch die SP für ihren Hypermoralismus und fehlende Konzepte im Umgang mit der Initiative. Strahm betont, dass eine reine Ablehnung ohne Vorschläge zur Bekämpfung von Problemen wie Wohnungsnot und Arbeitsmarktintegration unzureichend sei. Er kritisiert die SP für ihr Schweigen zu den sozialen Auswirkungen hoher Zuwanderung, wodurch sie der SVP diese Themen überlasse. Strahm sieht eine Spaltung der Partei als unvermeidlich an, wenn solche Probleme nicht angegangen werden.
Strahm argumentiert weiterhin, dass die Debatte auf erbärmlichen Niveaus stattfindet und von beiden Seiten populistisch geführt wird. Er verweist darauf, dass trotz des Wirtschaftswachstums viele Menschen an Kaufkraft eingebüßt haben, was auch mit Zuwanderung zusammenhängt. Die Ignoranz der SP gegenüber diesen sozialen Problemen und Ängsten führt laut Strahm dazu, dass sie die Fragestellungen der SVP überlässt.
Strahm erkennt an, dass nicht nur die SVP, sondern auch wirtschaftliche Eliten und kosmopolitische Kreise Migration grundsätzlich positiv sehen. Er selbst sieht sich als Teil dieser Gruppe, betont aber das Fehlen differenzierter Betrachtungen in der Debatte. Strahm kritisiert zudem die Integrität von Wirtschaftsvertretern wie Christoph Mäder und eine subtile Marginalisierung von Kritikern durch Medien.
Schließlich betont er, dass bei einem Ja zur Initiative die Personenfreizügigkeit nicht gekündigt würde und warnt vor leeren Angstmacherei der Gegner. Er weist darauf hin, dass in bestimmten Bereichen wie dem Gesundheitswesen ein Fachkräftemangel herrscht, der durch Zuwanderung ausgemerzt wurde, während inländische Bildungsangebote vernachlässigt wurden. Strahm sieht eine historische Verantwortung bei der SP, die bisher nicht genügend fordern würde und dadurch soziale Probleme verschärft.