Die Autoindustrie im Niedergang, der Verkauf von Zeitungsunternehmen, sportliche Misserfolge bei Juventus und Ferrari – all dies belastet das Image des Agnelli-Nachkommen John Elkann in Italien. Ein Porträt seines Wandels.
«Willkommen zurück!» In einem Werbespot für den neuen Fiat 500 Hybrid feiert der Turiner Hersteller nicht nur ein Auto, sondern auch nostalgische Erinnerungen. Gezeigt wird das historische Werk Mirafiori im Jahr 1957, als die ersten Exemplare des Cinquecento – wie der Fiat 500 in Italien genannt wird – gebaut wurden. Die alten Aufnahmen zeigen Fabrikarbeiter beim Zusammenbau des Kleinwagens. Kein anderes italienisches Auto ist so emotional aufgeladen wie der Fiat 500.
Der Spot endet mit einem Autokorso: fabrikneue Cinquecento rollen durch eine von Menschen gesäumte Prachtstrasse Turins, während Frauenköpfe aus den Schiebedächern herausragen. Zu den Schwarz-Weiß-Bildern erklingt Bruno Lauzis «Ritornerai», ein melancholischer Schlager der Dolce-Vita-Zeit.
Während John Elkann die Vergangenheit des Fiat beschwört, gerät seine Zukunftsperspektive in den Hintergrund. Der Erbe von Gianni Agnelli treibt die Abkehr vom Autogeschäft voran und verlässt zunehmend Italien – zur Empörung vieler Landsleute. Die Verkaufsabsichten zweier großer italienischer Tageszeitungen, ebenfalls Teil des Agnelli-Imperiums, haben die Beziehung weiter belastet.
Gianni Agnelli hatte Elkann als seinen Lieblingsenkel bestimmt, um die 1899 gegründete Fabbrica Italiana Automobili Torino in die Zukunft zu führen. Mit nur 31 Jahren übernahm er 2003 den Vorsitz der Familienholding und führte ein weit verzweigtes Firmenimperium. Zu diesem gehörten neben der Automobilproduktion bedeutende Anteile in Industrieunternehmen, Banken, Versicherungen sowie Verlagsbranche.
Die Zukunft des Autogeschäfts erschien schon 2003 unsicher. Doch tiefgreifende Änderungen blieben elf Jahre aus. Erst 2014 fusionierte Fiat mit dem US-Hersteller Chrysler und 2021 mit Peugeot und Citroën zur weltweiten Stellantis-Gruppe, die Exor mit 15,6 Prozent der Anteile als größten Ankeraktionär hat.
Die Fusionen führten zu einem drastischen Produktionsrückgang in Italien. Die Autoproduktion verlagerte sich ins Ausland und es kam zu massiven Stellenabbau sowie Kurzarbeit. Heute erhalten fast die Hälfte der noch beschäftigten 18 000 Mitarbeiter staatliche Unterstützung.
Die Automobilindustrie ist nicht das einzige Geschäft, das verkauft wird. Anfang März veräußerte Elkann auch «La Stampa». Das Ende des Verlagsengagements wurde mit dem Verkauf von «L’Espresso», «Secolo XIX» und anderen Lokalzeitungen vorbereitet.
Ende März folgte der Verkauf von «La Repubblica» an die griechische Antenna Group. Die Motive des neuen Besitzers bleiben unklar, was in Italien zu Widerstand führte.
Elkanns Unbeliebtheit hat weitere Ursachen: Der sportliche Niedergang von Ferrari und Juventus beschädigt das Ansehen der Agnellis weiter. Nach neun aufeinanderfolgenden Meistertiteln für Juventus folgte ein Finanzskandal, Verurteilungen und Managementfehler.
Erst nachdem Giancarlo Devasini mit einem Übernahmeangebot für Juventus drohte, verteidigte Elkann öffentlich den Klub. Auf dem Tennisplatz in Turin wurde er 2024 ausgepfiffen, was seine angeschlagene Popularität unterstreicht. Nach einem Steuerstrafverfahren bezahlte er 183 Millionen Euro und leistete Sozialdienst.
Elkanns Fokus liegt auf einer globalen Zukunft – Autos sind für ihn Nebensache. Der Kontrast zu seinem charismatischen Großvater könnte nicht größer sein. Sein Freundeskreis in den USA inkludiert Persönlichkeiten wie Sam Altman von OpenAI und Donald Trump.
Carlo De Benedetti, ehemaliger Olivetti-Patron, prophezeit Elkanns Umzug nach New York aufgrund seiner Unbeliebtheit in Italien. Sein amerikanischer Pass könnte ihm dort einen warmen Empfang sichern.