Die Kunststoffindustrie erlebt derzeit eine Aufwärtsbewegung an den Börsen, insbesondere Ems-Chemie und Clariant in der Schweiz haben zugelegt. Auch die US-amerikanischen Unternehmen Dow und Lyondell-Basell verzeichnen markante Kursgewinne. Während Autofahrer bereits höhere Kraftstoffpreise aufgrund des Iran-Konflikts zu spüren bekommen, drohen auch Verbraucher weitere Preissteigerungen für Produkte wie PET-Flaschen und Chipsverpackungen. Diese werden aus Erdöl und Erdgas hergestellt, deren Preise um bis zu 20 Prozent steigen könnten, falls Lieferketten langfristig gestört bleiben.
Laut Bloomberg berichten Insider von einem kurzfristigen Anstieg der Verpackungskosten um rund 5 Prozent. Verpackungshersteller erwarten jedoch noch höhere Preisanhebungen als die Rohstoffe teurer werden, was ihre Profitabilität stärkt. Besonders profitieren amerikanische Unternehmen wie Dow und Lyondell-Basell von ihrer Lage weit entfernt vom Konfliktgebiet und der Versorgung mit heimischen Erdöl- und Erdgasquellen.
In Europa zeigen Aktienkurse ebenfalls Gewinne: Ems-Chemie (+15 Prozent) und Clariant (+11 Prozent), BASF (+17 Prozent) sowie Evonik Industries (+26 Prozent). Ems verzeichnete im ersten Quartal trotz eines Umsatzrückgangs durch Wechselkursschwankungen eine höhere Betriebsergebnisquote. Das Unternehmen kündigte Preisanpassungen an, um steigende Kosten zu kompensieren und profitiert von einer Fokussierung auf hochwertige Produkte.
Die Analysten der UBS heben hervor, dass Ems dank seiner Spezialisierung höhere Kosten weitergeben kann. Auch Sika und Akzo Nobel gehören zu dieser Gruppe. Ems betreibt keine Geschäfte im Nahen Osten, was den Konflikt weniger beeinträchtigt.
Clariant könnte jedoch von Verzögerungen bei Projekten in der Region betroffen sein, da es Katalysatoren für Petrochemieanlagen liefert. Givaudan, ein führender Hersteller von Parfümriechstoffen, sieht sich Risiken ausgesetzt, falls der Konsum im Nahen Osten sinkt und internationale Reisebeschränkungen die Verkäufe beeinträchtigen.
Die Aktien von Givaudan verloren 12 Prozent an Wert, während DSM-Firmenich um etwa 10 Prozent einbüßte. Analysten der Bank of America warnen vor einer Überbewertung bei Dow und Lyondell-Basell, da eine Nachfrageabschwächung nach dem Konflikt wahrscheinlich ist. In den letzten Jahren wurden in China und den Golfstaaten zahlreiche Produktionsanlagen für Kunststoffe errichtet, was künftige Überkapazitäten erwarten lässt.