Um die Bürger vor hohen Kraftstoffkosten zu schützen, setzen Regierungen auf Steuererleichterungen. Dies sollte jedoch selektiv und nur unter bestimmten Bedingungen erfolgen. EU-Energiekommissar Dan Jörgensen sprach sich dafür aus, die Nachfrage nach Kraftstoffen zu reduzieren, was beispielsweise durch mehr Homeoffice oder Fahrgemeinschaften erreicht werden kann. Auch temporäre Geschwindigkeitsbegrenzungen oder autofreie Sonntage könnten infrage kommen.
Obwohl solche Maßnahmen angesichts des Konflikts im Iran logisch erscheinen, sind sie politisch heikel, da sie als Eingriff in die persönliche Freiheit der Konsumenten wahrgenommen werden könnten. Daher haben sich Regierungen bisher meistens davor gescheut, öffentlich darüber zu diskutieren.
Anstatt eine Nachfragebremse vorzuschlagen, bevorzugen europäische Politiker finanzielle Unterstützung für Bürger, wie die Anpassung der Pendlerpauschale in Deutschland oder die Senkung der Benzinsteuer in Italien. Solche Maßnahmen haben jedoch nur begrenzte Auswirkungen und können das grundlegende Problem nicht lösen.
Die finanziellen Mittel für diese Unterstützung könnten knapp werden, insbesondere da der Konflikt im Nahen Osten die Erdölversorgung beeinträchtigt. Politiker tendieren dazu, optimistische Szenarien zu vermitteln und pessimistische Vorstellungen zu vermeiden, ähnlich wie während der Pandemie 2020.
Seit den Herausforderungen durch die Pandemie und den Ukraine-Krieg hat sich an Europas Verwundbarkeit gegenüber Energiepreisschwankungen wenig geändert. Die politischen Maßnahmen könnten erneut zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen, da nicht alle Länder finanziell in der Lage sind, umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen durchzuführen.
Obwohl die Politik Menschen unterstützen sollte, die besonders von den hohen Kraftstoffkosten betroffen sind – insbesondere solche mit niedrigem Einkommen und ländlichem Wohnsitz – muss dies unter der Bedingung erfolgen, dass auch Strategien zur Nachfragedämpfung entwickelt werden. Dies wäre ein Zeichen politischer Lernfähigkeit, um auf zukünftige Krisen besser vorbereitet zu sein.