Die Kosten in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Soziales steigen in Winterthur rasant an. Eine entscheidende Frage ist, ob Steuererhöhungen folgen werden. Auf den ersten Blick scheinen die Finanzen der Stadt gut bestellt: Der Jahresabschluss 2025 übertraf mit einem Überschuss von 63,9 Millionen Franken das Budget um rund 45 Millionen Franken. Zudem sank die Pro-Kopf-Verschuldung. Im Vergleich dazu hatte Zürich im letzten Jahr nach zehn Jahren wieder rote Zahlen geschrieben und einen wachsenden Schuldenberg angehäuft. Allerdings ist der unerwartete Überschuss in Winterthur hauptsächlich auf eine Einmalzahlung zurückzuführen: eine gerichtlich verordnete Rückerstattung von Geldern. Im Zentrum des Streits zwischen dem Kanton Zürich und seinen Gemeinden stand die Kostenverteilung bei der Unterbringung in Kinder- und Jugendheimen. Das Bundesgericht entschied, dass der Kanton rund 400 Millionen Franken an die Gemeinden zurückzahlen muss. Winterthur erhielt daraus inklusive Verzugszinsen knapp 40 Millionen Franken – ein Betrag, den die Stadt für 2026 erwartet hatte. Die Steuereinnahmen sind leicht gestiegen und liegen mit 521 Millionen Franken um gut 17 Millionen über dem Budget. Der Hauptanteil dieses Plus stammt von Privathaushalten (+15 Millionen). Unternehmen trugen ebenfalls mehr bei, mit einem Überschuss von 10 Millionen Franken. Dagegen wurden bei den Grundstückgewinnsteuern 8 Millionen Franken weniger eingenommen. Diese steigenden Einnahmen sind dringend nötig, da die Ausgaben stark anwachsen. Im Schulbereich stiegen die Kosten um 17 Prozent auf 367 Millionen Franken. In Soziales und Gesundheit waren es 23 Prozent auf 234 Millionen Franken. Die Stadt erwartet, dass dieser Trend anhält und die Einnahmen im laufenden Jahr nicht mehr ausreichen werden. Einflussfaktoren wie steigende Schülerzahlen und eine älter werdende Bevölkerung ließen sich kaum beeinflussen, so der Bericht des Stadtrats an das Parlament. Kaspar Bopp (SP), Finanzchef und Stadtpräsidentschaftskandidat, betonte, dass die Stadt nur noch für den Vollzug bestimmter Aufgaben zuständig sei. Zu konkreten Maßnahmen äußerte sich Bopp zurückhaltend und kündigte einen Prozess zur Absteckung von Handlungsoptionen an. Erst im Budget 2027 sollen erste Ergebnisse erwartet werden. Ein größerer Beitrag des Kantons, insbesondere bei der Bildung, sei wünschenswert. Eine Steuererhöhung ist politisch kaum durchsetzbar; Winterthur hat bereits einen hohen Steuerfuß von 125 Prozent. Die Lage könnte sich ab 2029 mit der Abschaffung des Eigenmietwerts weiter verschärfen. Zudem wirft der Iran-Krieg die Schweizer Wirtschaft zurück, was Unsicherheiten bezüglich mittelfristiger Unternehmensgewinne und Steuereinnahmen schafft. Parteien in Winterthur äußerten klare Positionen: Die SVP fordert Effizienzsteigerungen und Priorisierung von Aufgaben. Die FDP spricht sich gegen Steuererhöhungen aus, während die Grünen vor Sozialabbau warnen und Sparpotenzial sehen. Sie erwarten zudem mehr Kantonssolidarität bei der Bildung. Auch die SP setzt auf einen gerechten finanziellen Ausgleich durch den Kanton. Der Winterthurer Stadtrat wird seinen Budgetentwurf 2027 samt Sanierungsplan im Oktober vorlegen.