In der Schweizer Stadt Zürich ist ein aufsehenerregender Fall einer Genossenschaft bekannt geworden, der die Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Minergie-Standards verdeutlicht. Trotz der Knappheit an preiswerten Wohnungen stehen 37 solcher Einheiten seit über einem Jahr leer, was im Quartier von Wollishofen für Erstaunen sorgt. Drei alte Nachkriegsreihenhäuser wurden durch zwei moderne Mehrfamilienhäuser ersetzt, die sich an der Thujastrasse befinden und insgesamt 37 Wohnungen umfassen. Obwohl diese bereits fertiggestellt sind und im Frühsommer 2025 bezogen werden sollten, bleiben sie ungenutzt. Anwohner sind erstaunt über dieses Phänomen, da es inmitten der Diskussionen um den Wohnungsmangel in Zürich besonders auffällt. Die Baugenossenschaft St. Jakob, die zu den bürgerlich-mittelständischen Genossenschaften gehört und vom Unternehmer Heinrich Hatt-Haller gegründet wurde, hatte sich zum Ziel gesetzt, nachhaltig im Minergie-P-Eco Standard zu bauen – ein Anspruch, der eine perfekt gedämmte Gebäudehülle erfordert. Doch kurz vor Fertigstellung wurden gravierende Probleme mit dieser Hülle festgestellt. Diese Mängel verhinderten die Zertifizierung des Minergie-Standards, was zu intensiven Bemühungen führte, das Problem zu beheben. Mehr als ein halbes Jahr lang blieb unklar, wann die Häuser bezugsfertig sein würden. Die Überprüfung der Gebäude erfolgte mittels Blower-Door-Tests, um Lecks in der Gebäudehülle aufzuspüren. Trotz abgedichteter Öffnungen blieben Probleme bestehen, weshalb die Wohnungen teilweise wieder zurückgebaut wurden. Die Genossenschaft verzichtete nicht auf das Minergie-Zertifikat, da dies mit finanziellen Einbußen verbunden gewesen wäre. Zudem erhielt sie erst Ende Februar 2026 die amtliche Bezugsbewilligung, obwohl diese schon ausgestellt war. Während eines Hauses mittlerweile bezogen werden kann und der Einzug Mitte Mai geplant ist, verzögert sich das andere um Monate. Die Genossenschaft sieht sich mit erheblichen Mietzinsausfällen konfrontiert, während betroffene Mitglieder weiterhin in ihren alten Wohnungen bleiben müssen.