Die Fehler früherer Regierungen wie die Energiekrise und der marode Zustand der Infrastruktur sind für viele Bürger heute spürbar. Trotzdem behaupten die damaligen Verantwortlichen, alles richtig gemacht zu haben, was den Bürgern die Chance nimmt, aus diesen Fehlern zukünftig zu lernen.
In einem Auszug des Newsletters «Der andere Blick am Abend», verfasst von Anna Schiller von der NZZ Deutschland, zeigt sich, dass ehemalige Spitzenpolitiker oft ihre Amtszeiten idealisieren. Diese Tendenz zur Verklärung ist besonders bei der Iran-Politik auffällig. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier behauptete beispielsweise, das Regime sei nie so weit von der Atombombe entfernt gewesen wie während seiner Zeit als Außenminister. Sein Appeasement könnte die Mullahs in ihrem gefährlichen Kurs jedoch bestärkt haben.
Annalena Baerbock verkauft ihre “feministische Aussenpolitik” weiterhin als Erfolg, ohne erwähnen zu wollen, dass sie sich zurückhielt, als im Iran Frauen auf den Straßen niedergeschlagen wurden. Ähnlich verhält es sich mit Peter Altmaier, der kürzlich in einer Talkshow die Reformen unter Merkel lobte, obwohl jene Jahre kaum Fortschritte brachten. Kritik an der damaligen Energiepolitik ließ er unkommentiert.
Volker Wissing feiert es als Leistung, länger im Amt geblieben zu sein als seine Vorgänger von der FDP. Sein Verbleib in der Regierung nach dem Bruch der Ampelkoalition stilisiert er als Dienst an der Allgemeinheit. Die Tatsache, dass im gleichen Jahr jeder dritte Fernzug zu spät kam, wird dabei ignoriert.
Die ehemaligen Kanzler Angela Merkel und Gerhard Schröder setzen sich ebenfalls mit Selbstlob von der Realität ab. Merkel widmete ihrer Amtszeit sogar ein Buch, während Schröder betont, dass “mea culpa” nicht zu ihm passe.
Diese Selbstzufriedenheit zeigt eine gefährliche Abkopplung von der Realität. Deutschland steckt in einer schweren Krise, doch die Verantwortlichen behaupten, alles richtig gemacht zu haben. Die Bürger sehen jedoch auf ihren Rentenbescheiden und den Energiekosten, dass viele Reformen nur kosmetisch waren.
Rückblickend könnten frühere Politiker leichter Entscheidungen getroffen haben, ohne sich unbeliebt zu machen. Doch das Modell Deutschland war auf tönernen Füßen gebaut – ein Umstand, den sie hätten erkennen können.
Die rückblickende Schönfärberei verstärkt bei Bürgern das Gefühl der Lähmung: Politiker scheinen mehr an ihrem Image interessiert zu sein als am Wohl des Landes. Das Misstrauen in die Demokratie wächst, und Populisten profitieren davon.
Die Schönfärberei verhindert auch, dass das Land aus den Fehlern der Vergangenheit lernt. Deutsche Regierungen haben strategische Fehler gemacht, deren Ursachen analysiert werden müssen. Solange die Verantwortlichen jede kritische Aufarbeitung durch Selbstbeweihräucherung verhindern, bleibt diese Analyse aus.
Offen über Fehlentscheidungen zu sprechen, wäre ein Zeichen von Größe und Ehrlichkeit. Nur wer Fehler benennt, kann sie zukünftig vermeiden. Alles andere ist kein Dienst am Land, sondern an der eigenen Legende.