Die Debatte über die Zukunft von Pablo Picassos berühmtem Gemälde «Guernica» spitzt sich in Spanien zu. Die baskische Regierung möchte das Kunstwerk ins Guggenheim-Museum nach Bilbao verlegen, während Madrid dagegen Einwände erhebt. Im Zentrum des Streits steht die Sorge um potenzielle Schäden am Gemälde und historische Sensibilitäten. Die Diskussionen sind geprägt von scharfen Wortgefechten zwischen Politikern aus Madrid und dem Baskenland. Isabel Díaz Ayuso, die Präsidentin der Madrider Regionalregierung, kritisierte den baskischen Vorschlag als Ausdruck provinzieller Einstellung, da Kunst universell sei. Aitor Esteban, Vorsitzender der baskischen Nationalpartei, konterte und warf Ayuso Provinzialismus vor, indem er auf deren liberale Corona-Massnahmen anspielte. Ursprünglich sollte das Gemälde im Guggenheim-Museum in Bilbao zum 90. Jahrestag des Bombenangriffs auf Guernica ausgestellt werden – ein Ereignis, bei dem die nationalsozialistische Legion Condor während des Spanischen Bürgerkriegs tausende Menschen tötete. Imanol Pradales, der baskische Regionalpräsident, sieht in einer Verlegung «Guernicas» eine symbolische Geste gegenüber dem baskischen Volk und fordert politisches Engagement von Ministerpräsident Pedro Sánchez. Seit 1992 ist das Gemälde im Museo Reina Sofía in Madrid ausgestellt. Eine Untersuchung des Museums ergab, dass «Guernica» sich in einem stabilen Zustand befindet, jedoch könnte ein Transport neue Schäden verursachen. Das spanische Kulturministerium betont die Notwendigkeit, das Kulturerbe zu schützen. Isabel Díaz Ayuso argumentiert, dass politische Identität nicht über den Erhalt des Gemäldes gestellt werden dürfe. Sie bezieht sich auf Picassos Geburtsstadt Málaga als Beispiel für eine mögliche Rückführung weiterer Werke. Die symbolträchtige Bombardierung von Guernica steht exemplarisch für die Brutalität des nationalsozialistischen Deutschlands und Francos Regime, was Hitler durch den Einsatz der Legion Condor im April 1937 verdeutlichte. Adolf Hitlers Experiment mit dem Blitzkrieg endete in einer weitgehenden Zerstörung Guernicas. Picasso, damals in Paris ansässig, war tief erschüttert und widmete sich statt seiner ursprünglichen Aufgabe der Arbeit an «Guernica». Während Francos Diktatur blieb das Gemälde ausserhalb Spaniens. Erst nach Francos Tod kehrte es schliesslich zurück. Trotz Ablehnungen durch das Madrider Museum bleiben die Bestrebungen bestehen, «Guernica» ins Baskenland zu bringen – mit Guernica als alternativem Zielort laut José María Gorroño, dem Bürgermeister von Guernica. Das Thema bleibt ein heiß diskutiertes politisches und kulturelles Dilemma in Spanien.