Der US-Präsident und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth versuchen, die jüngst vereinbarte Waffenruhe mit Iran positiv darzustellen. Allerdings wird bei den bevorstehenden Verhandlungen ein geschwächter Stand der USA erwartet, und Israels Offensive in Libanon gefährdet die Ruhephase.
Der 39-tägige Konflikt gegen Iran hat die USA rund 45 Milliarden Dollar gekostet. Dabei wurden 13 amerikanische Soldaten getötet und 365 verletzt. Präsident Trump strebte daher danach, den Waffenstillstand als Sieg zu präsentieren. Am Mittwoch äußerte er sich auf Truth Social: «Das ist ein grosser Tag für den Weltfrieden! Iran will es, sie hatten genug!».
Verteidigungsminister Pete Hegseth zog in einer Pressekonferenz nach und sprach von einem «historischen und überwältigenden Sieg». Er betonte: «Iran bat um eine Waffenruhe. Präsident Trump hätte die iranische Wirtschaft innerhalb weniger Minuten zerstören können, tat dies aber nicht.»
Die «New York Times» berichtete jedoch, dass chinesischer Druck Teheran zu einem Umdenken bewog. China bat Iran um Flexibilität bei der Annahme einer Waffenruhe, da die Hälfte seiner Erdölimporte aus dem Persischen Golf stammen.
Trump hatte gedroht, sämtliche Brücken und Elektrizitätswerke in Iran zu zerstören, sollte Teheran die Meerenge von Hormuz nicht öffnen. Auf Truth Social spekulierte er über die Vernichtung «einer ganzen Zivilisation» in Iran. Daraufhin akzeptierte das Islamische Regime die Öffnung der Strasse von Hormuz für zwei Wochen.
Im Gegenzug musste Trump den iranischen 10-Punkte-Plan als Verhandlungsbasis anerkennen, der unter anderem die Aufhebung aller Sanktionen und Kontrolle über die Strasse von Hormuz fordert. Präsident Trump relativierte am Mittwoch diese Forderungen: «Es wird keine Urananreicherung geben», schrieb er auf Truth Social. Teheran werde zudem seine Bestände an hochangereichertem Uran nicht nutzen.
Trump behauptete, dass in Teheran ein Regimewechsel stattgefunden habe und moderatere Kräfte an die Macht gekommen seien. Doch Experten widersprechen dieser Ansicht: Radikale Kräfte innerhalb der Revolutionsgarden haben die Macht übernommen.
Die USA behaupteten, Teherans Rüstungsindustrie «komplett zerstört» zu haben, obwohl Berichte bestehen, dass etwa die Hälfte der iranischen Raketen und Drohnen noch einsatzfähig sind. Nach den Bombardements räumten Iraner einige Anlagen wieder frei.
Erste Friedensgespräche zwischen den USA und Iran sollen in Islamabad stattfinden. Allerdings kehrt Washington aus einer schwächeren Position zurück als vor dem Krieg, da Teheran seine Überlegenheit durch die Blockade der Strasse von Hormuz demonstriert hat. Trump hätte mehr zu verlieren.
Vizepräsident J.D. Vance könnte bei den Verhandlungen mehr Einfluss erlangen, da er sich gegen den Krieg aussprach. Die Waffenruhe erwies sich am Mittwoch jedoch als brüchig, nachdem Israel die Offensive in Libanon fortsetzte und Iran daraufhin drohte, die Strasse von Hormuz nicht zu öffnen. Dies könnte eine neue Realität schaffen.