Die Delegierten der FDP in Zürich haben überraschend eine Initiative aus ihrem eigenen Lager abgelehnt, die eigentlich die Förderung von Eigentumswohnungen zum Ziel hat. Das Thema Wohneigentum steht bei den kommenden Abstimmungen im Zentrum und ist traditionell ein Anliegen der Freisinnigen.
Das Volksbegehren des Hauseigentümerverbands (HEV), bekannt als die Wohneigentumsinitiative, zielt darauf ab, dass bei staatlich unterstützten Wohnbauprojekten nicht nur preisgünstige Mietwohnungen entstehen sollen, sondern auch gleich viele Eigentumswohnungen. Obwohl die FDP eng mit dem HEV verbunden ist, steht sie diesem Vorhaben skeptisch gegenüber.
Bei der Delegiertenversammlung am Dienstagabend in Stäfa sprach sich eine deutliche Mehrheit von 99 zu 28 Stimmen gegen die Initiative aus. Die Kantonsratsfraktion der FDP hatte bereits zuvor ihre Ablehnung signalisiert, im Gegensatz zur Fraktionen von SVP und Mitte.
Albert Leiser, langjähriger Direktor des HEV in Zürich und Gemeinderat der FDP, betonte vor den Delegierten die Wichtigkeit eines Zeichens für das Wohneigentum. In vielen grossen Städten werde der gemeinnützige Mietwohnungsbau stark unterstützt, während Eigentumschancen vernachlässigt würden. Er wies darauf hin, dass die Partei erst kürzlich die Förderung von Wohneigentum in ihr Programm aufgenommen habe und Jungen den Traum vom eigenen Heim nicht verwehrt werden sollte.
Doris Meier, Kantonsrätin der FDP, argumentierte gegen die Initiative. Sie betonte, dass das Vorhaben zu mehr Regulierung führe, während in der Wohnpolitik vielmehr weniger Hürden benötigt würden, um mehr attraktiven Wohnraum zu schaffen. Auch Carmen Walker Späh, anwesende FDP-Regierungsrätin, unterstützte diese Ansicht und äußerte sich kritisch über die bestehenden Regulierungen im Wohnungsmarkt.
Die Entscheidung der Delegierten spiegelt eine ungewöhnliche Haltung innerhalb der Partei wider. Die definitive Abstimmung findet am 14. Juni statt.