Ein Gefühl von Ruhe sei wichtig, da die Menschen oft gestresst seien, betont George Gaitanos, wissenschaftlicher Direktor des Luxushotels «Chenot» in Weggis. Das Hotel bietet Programme für Selbstoptimierung und Lebensverlängerung an, darunter eine Schlafoptimierungswoche namens «Sleep Cycles». Die Teilnahme kostet 7960 Franken ohne Übernachtung; mit Zimmerauswahl zwischen 11’670 und 12’790 Franken. Zentrale Elemente sind vier spezielle Zimmer mit akustischer Dämmung, einem Multimediasystem zur Simulation eines natürlichen Aufwachens, blauem Licht zur Biorhythmusanregung und aufgenommenen Vogelstimmen aus echten Wäldern.
Nach dem «glücklichen Aufwachen» spazieren die Gäste in Richtung Ostsee und verzehren ein Frühstück ohne Koffein, Salz oder mehr als 850 Kalorien täglich. Das Hotel richtet sich an sogenannte High Performer – wohlhabende Personen, die eine Auszeit nehmen.
Obwohl man mit den Gästen nicht sprechen kann, da diese sensibel seien, beobachtet man oft allein reisende Menschen in Bademänteln. Die meisten kommen alleine oder in getrennten Zimmern an. Schlaf wird zunehmend zum lukrativen Geschäftsfeld: Jeder Dritte in der Schweiz gibt Schlafstörungen zu. Betroffen sind Eltern, Personen mit fordernden Jobs sowie Frauen und Senioren.
Eine Industrie bietet vielfältige Hilfsmittel an. Im letzten Jahr wurden laut P&S Intelligence rund 100 Milliarden US-Dollar für solche Produkte ausgegeben, mit Prognosen eines weiteren Anstiegs um die Hälfte bis 2032. Ein großer Anteil entfällt auf Kissen und Matratzen; Beispiele sind Boxspring-Betten des schwedischen Herstellers Hästens, gefüllt mit Pferdehaar, deren Preise zwischen 600’000 und einer Million Franken liegen.
Technische Gadgets zur Schlafüberwachung boomen. Dazu gehören Neurostimulations-Stirnbänder oder teure Matratzenauflagen sowie Smartwatches und der finnische Oura-Ring, dessen Unternehmen rund 11 Milliarden Dollar wert ist.
Schlafforscher Björn Rasch sieht in diesen Gadgets ein Potenzial zur Schlafmessung im Alltag. Dennoch gibt es Bedenken bezüglich der Qualität und des Vertrauens in technische Daten versus persönliches Gefühl. Für guten Schlaf sind laut Rasch die alltäglichen Aktivitäten, Ernährung und soziale Beziehungen entscheidend.
Funktionskleidung für den Schlaf gewinnt an Popularität: Das Schweizer Start-up Dagsmejan verkauft Pyjamas, entwickelt mit der Empa und Hochschule Luzern. Diese sollen kühlen, wärmen oder regenerieren und werden in Zusammenarbeit mit Willy Hermann produziert. Dagsmejan hat sich auf Schlaf als Megatrend fokussiert und verkauft jährlich rund 200’000 Teile.
Das «Chenot» Hotel richtet sich an wohlhabende Gäste, die für umfassende Therapien im Rahmen ihrer Aufenthalte bis zu 12’000 Franken ausgeben. Die Schlafwoche ist gut gebucht, was das Interesse an solchen luxuriösen Angeboten unterstreicht.