Die Lichtsignalanlage am Neumühlequai, nahe des Zürcher Hauptbahnhofs, bleibt weiterhin außer Betrieb – technische Mängel sind dafür nicht der Grund. Am späten Nachmittag steht das Signal auf Gelb und zwei Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma regeln den Verkehr an dieser komplexen Kreuzung mit mehreren Spuren und Tramlinien. Zwölf Tage, nachdem die Velospur vom Kanton entfernt wurde, funktioniert die Lichtsignalanlage weiterhin nicht. Der Konflikt zwischen Stadt Zürich und Kanton um eine aufgemalte Velofahrbahn ist der Auslöser.
Der Konflikt entstand, als die Stadt Mitte März eine Fahrspur zum Velostreifen machte, was den Regierungsrat dazu veranlasste, einen scharfen Brief zu schreiben. Nach dem Abräumen der Spur Ende März bleibt die Lichtsignalanlage weiterhin ausser Betrieb. Anfangs liess das Sicherheitsdepartement der Stadt den Verkehr unreguliert fliessen, was gefährliche Situationen verursachte, wie berichtet.
Nordwärts, beim Autobahnende des Milchbucktunnels, ist die Grünphase weiterhin reduziert, was zu frühmorgendlichem Stau über einem Kilometer lang führt. Trotz der klaren Forderung des Regierungsrats nach Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands funktioniert die Anlage nicht richtig.
Jetzt mischt sich auch der Bund ein: Die Lichtsignalanlage, Eigentum des Bundesamts für Strassen Astra und von der Stadt gesteuert, ist Gegenstand dieser Diskussion. Das Astra bestätigt auf NZZ-Anfrage den festgestellten Rückstau durch die Kantonspolizei und betont das Sicherheitsrisiko in Tunneln. “Zusätzlicher Stau im Milchbucktunnel ist nicht akzeptabel”, heißt es.
Die fehlende Funktionalität der Anlage nach der Verkehrsumstellung lässt sich technisch nicht erklären. Eine Umrüstung wäre zwar nicht einfach, ließe sich aber innerhalb eines Tages durchführen, so Marc Röthlisberger von Verkehrswelt GmbH. Die Stadt könnte die Anlage aufgrund der Hoffnung auf Wiedereinrichtung der Velospur bewusst unverändert lassen, was erhebliche Kosten vermeiden würde – während die privaten Sicherheitsdienste bereits rund 80 000 Franken pro Monat kosten.
Die Stadt bleibt bei ihrer Position und zieht den Rechtsweg. Der Stadtrat hält die aktuelle Situation für die Velofahrer unhaltbar und sieht die Velospur als notwendige temporäre Massnahme für Sicherheit in Bahnhofsbauphasen. Erst mit einer Einigung würde man von der Beschwerde zurücktreten, nachdem erste Gespräche ergebnislos blieben.
Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart betont, dass es sich nicht um einen Machtkampf handelt, sondern um die Sicherheit der Velofahrenden. Die schwierige Situation bei den Bahnhofsarbeiten mache juristische Schritte erforderlich. Bis das Verwaltungsgericht entscheidet, könnte es mehrere Monate dauern und die Lichtsignale könnten weiterhin außer Betrieb bleiben.
Am Neumühlequai wird sich das Gelblicht wahrscheinlich noch länger zeigen.