Salz, Geschmacksverstärker, Milchzucker, Weizenstärke und verschiedene Öle sind nur einige der Zutaten von Aromat. Doch das Produkt ist für viele in der Schweiz mehr als eine Streuwürze; es gilt sogar als «Schweizer Kultgewürz» oder «gelbes Gold». Jetzt sorgt die geplante Übernahme des Herstellers Knorr durch den US-amerikanischen Gewürzgiganten McCormick für Unruhe unter Schweizerinnen und Schweizern. Der britisch-niederländische Konzern Unilever kündigte vor einer Woche an, diesen Verkauf anzustreben.
Die Sorge besteht darin, dass die Produktion in Thayngen SH geschlossen werden könnte, was das Schweizer Nationalgewürz aus der einheimischen Fertigung verbannen würde. Christof Schärrer, Wirtschaftsförderer aus Schaffhausen, appelliert an die Bevölkerung, mit Aromat gewürzte Stocki zu konsumieren, um den Produktionsstandort in der Schweiz zu sichern. Der Basler Jungunternehmer Michael Oehl hat eine Petition namens «Aromat ghört dr Schwiiz» gestartet, die über 10’000 Unterschriften gesammelt hat und sich an McCormick, Unilever sowie Wirtschaftsminister Guy Parmelin richtet. Obwohl man sich als unternehmerische Initiative versteht, nicht als politisch motiviert, strebt Oehl den Dialog mit beiden Unternehmen an.
Die Petition fordert, dass der Standort in Thayngen erhalten bleibt und die Rezeptur unverändert bleibt. Sie schlägt zudem vor, nach Schweizer Käufern oder Beteiligungen zu suchen, bevor der Verkauf abgeschlossen wird. Paul Imhof, pensionierter Journalist und Autor des Buches «Das kulinarische Erbe der Schweiz», relativiert jedoch die Bedeutung von Aromat als Nationalgewürz. Er betont, dass auch die Cervelat in verschiedenen Regionen unterschiedlich verbreitet ist.
Gegründet wurde das Unternehmen, das später zu Knorr werden sollte, Mitte des 19. Jahrhunderts durch Carl Heinrich Knorr im schwäbischen Heilbronn. Sein Sohn eröffnete eine Zweigstelle in St. Margrethen und verlegte sie bald nach Thayngen. Hier entwickelte der Schweizer Spitzenkoch Walter Obrist 1953 Aromat, das rasch landesweit populär wurde.
Die Angst um Aromat spiegelt die Sorge wider, etwas Einzigartig-Schweizerisches zu verlieren in einer immer internationaleren Welt. Trotzdem erinnert Imhof daran, dass andere bekannte Schweizer Produkte wie Sugus und Toblerone bereits ausgelagert wurden oder übernommen worden sind.