Zürcher Radfahrer bevorzugen schnelle und kostengünstige Abstellmöglichkeiten und lassen sich von neuen unterirdischen Stationen kaum überzeugen. Der Veloabstellplatz vor dem Bahnhof Stadelhofen ist regelmäßig überfüllt, sodass Fußgängerinnen und Fußgänger oft keinen Weg mehr finden. Die Stadt Zürich weist darauf hin, dass es seit einigen Monaten eine Alternative gibt: die Velostation unterhalb des Calatrava-Neubaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Die Station wurde im vergangenen Dezember eröffnet und kostete 15 Millionen Franken. Radfahrer zahlen dafür 2 Franken pro Tag oder 50 Franken für ein Jahresabo. Auf drei Etagen bietet die Station Platz für rund 800 Fahrräder. Ursprünglich sollte sie den überfüllten Stadelhoferplatz entlasten, steht jedoch größtenteils leer. Bei einem Besuch war knapp 700 Plätze unbesetzt – also fast alle, während draußen Radfahrer nach freien Flächen suchten.
Ein Pendler aus der Umgebung bemerkt, dass ihm das Draußenabstellen schneller erscheint, da sein Zug zeitlich knapp ankommt. Eine junge Frau bevorzugt die kostenlose Möglichkeit, ihr Fahrrad im Freien abzustellen, anstatt 2 Franken zu bezahlen.
Laut vertraulichen Daten zur Auslastung der Velostation am Stadelhofen lag diese über vier Wochen hinweg zwischen 10 und 12 Prozent. Nicolas von Graffenried, Präsident der Vereinigung Bellevue und Stadelhofen, kritisiert, dass die Station ihren Zweck nicht erfüllt und das Fahrradchaos auf dem Platz zugenommen habe. Dies störe insbesondere das Gewerbe vor Ort, da der Platz sich zu einer Flaniermeile entwickeln soll.
Ein Sprecher des Tiefbauamts betont jedoch, dass die Station ihren Zweck erfülle und es Zeit brauche, bis Radfahrer ein neues Angebot akzeptierten. Am Hauptbahnhof hatten vorherige Velostationen ähnliche Probleme mit niedriger Auslastung: Die Station Europaplatz war anfangs ein Flop, da die meisten der 1600 Plätze leer blieben. Nachdem die Stadt den Preis für das Jahresabo reduzierte, verbesserte sich die Nutzung.
Um die Hauptbahnhof-Umgebung zu entlasten, führte die Stadt eine Begrenzung von 48 Stunden ein und zieht Fahrräder nach dieser Frist ein. Diese Maßnahmen bewirkten laut dem Tiefbauamt eine gewünschte Verlagerung der abgestellten Velos in die Stationen.
Die Praxis, Velos einzuziehen und nur gegen Gebühr zurückzugeben, stößt nicht überall auf Zustimmung. Bei Einführung der 48-Stunden-Regel gab es viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung, deren Zahl jedoch stark abgenommen hat.
Am Stadelhoferplatz galt bisher keine strenge Abstelldauer. Doch eine kommende Änderung sieht eine Beschränkung auf 48 Stunden vor, wie im März im Amtsblatt angekündigt wurde. Während der Bauarbeiten von Mitte Mai bis Anfang August werden die aktuellen Abstellflächen aufgehoben und Ersatzstandorte geprüft, was möglicherweise zu einer besseren Nutzung der Velostation unter dem Calatrava-Haus führen könnte.