Von den einst groß angekündigten Reformen ist derzeit keine Rede. Auch eine Distanzierung von US-Präsident Trump, dessen Drohung eines Krieges gegen Iran in Italien auf Ablehnung stösst, erfolgte nicht durch die italienische Premierministerin. Kürzlich äusserte Meloni noch den Wunsch, Donald Trump möge einst den Friedensnobelpreis erhalten. Heute jedoch sprach sie weder lobend noch kritisch über ihn und erwähnte lediglich allgemein schwierige Beziehungen zwischen Europa und den USA. Papst Leo äusserte sich deutlicher als Meloni gegenüber Trumps Drohung, eine Zivilisation auszulöschen. Dieses Statement wurde in Italien sehr ernst genommen. Trotzdem wich die Regierungschefin einer öffentlichen Kritik an Trump aus, obwohl dies wohl auf breite Zustimmung stossen würde. Nach der gescheiterten Volksabstimmung über die Justizreform ihrer Regierung wurde über einen Rücktritt Melonis spekuliert. Sie wies solche Spekulationen jedoch zurück und versprach, ihre Amtszeit bis zum Ende zu erfüllen. Meloni präsentierte ihre Rede mit sichtbaren Notizen aufgefächert vor sich, als wollte sie damit die Vielzahl ihrer Ideen unterstreichen. Tatsächlich fehlten wichtige Ankündigungen in ihrer Rede. Zu Beginn ihrer Amtszeit hatte Meloni eine umfassende Reform des italienischen Regierungssystems versprochen. Diese sei nun aber nicht mehr Gegenstand der Diskussion gewesen, so dass die Aussicht auf stabile Verhältnisse unerfüllt bleibt. Meloni betonte, keine unrealistischen Versprechen machen zu wollen und nahm dabei Bezug auf die Opposition. Finanzielle Mittel für großzügige Wahlkampfversprechen stehen nicht zur Verfügung, zumal Brüssels Investitionshilfe bald endet, sodass Sparmaßnahmen anstehen. Es ist ein herausfordernder Moment für Melonis Regierung, da sich in den Umfragen Regierung und Opposition annähern. Der Wahlkampf hat begonnen, obwohl die Wahlen erst im kommenden Jahr stattfinden werden.