Am kommenden Sonntag stehen entscheidende Wahlen an, in denen sich Ministerpräsident Viktor Orban der Herausforderung stellt. Orban genießt die Unterstützung von ungarischen Minderheiten in Nachbarländern, die ihm ihre Stimme geben können, da sie durch seine Politik ungarische Pässe und damit Wahlrechte erhielten.
In Rumänien profitieren fünf von Budapest finanzierte Universitäten von dieser Unterstützung. Ein Beispiel ist die christliche und ungarischsprachige Universität Partium in Oradea, einer Stadt mit tiefen historischen Bindungen zu Ungarn. Andrea Banffy, eine Dozentin an der Universität und Unterstützerin Orbans, betont: “Die Finanzierung erfolgt allein aus dem Mutterland; wir haben ein Vaterland (Rumänien) und ein Mutterland (Ungarn).” Zu Oppositionsführer Peter Magyar sagt sie nur, dass dessen Partei jung und dynamisch sei, aber Orban habe seine Loyalität zu den Auslandsungarn unter Beweis gestellt.
Zsolt Szilágyi, ein Politiker mit Fokus auf die Interessen der ungarischen Minderheit in Rumänien, äußert: Die größte Sorge sei das Verschwinden als Minderheit. Orban habe sich als Schlüsselfigur erwiesen. Etwa 200’000 rumänische Ungarinnen und Ungarn dürfen wählen; bisher gingen rund 90 Prozent ihrer Stimmen an die Fidesz-Partei Orbans. Doch Oppositionsführer Magyar gewinnt mit seiner Tisza-Partei zunehmend Unterstützung.
Magyar demonstrierte seine Hingabe, indem er letztes Jahr bis nach Oradea marschierte. Der Journalist Örs Szeghalmi unterstützt Tisza und sieht darin die einzige Möglichkeit, Orbans Einfluss zu reduzieren. Nach seiner Entlassung aus der ungarischsprachigen Lokalzeitung kritisiert er, dass Orbans Politik auch in Rumänien seine Macht stärke.
Ervin Szekely, ein 68-jähriger Journalist und Schriftsteller, bemerkt eine Veränderung: Orban-Wähler vermeiden unangenehme Fragen. Die Auslandsungarn können bei der Wahl maximal zwei Sitze im 199-köpfigen Parlament bestimmen, doch symbolisch ist ihre Entscheidung von großer Bedeutung.