Nach der verpassten WM-Qualifikation und dem frühen Champions League-Aus der Squadra Azzurra beklagt sich ganz Italien über den Niedergang des Calcio. Doch in Como zeigt man, wie die Zukunft aussehen könnte – dank Trainer Cesc Fàbregas.
Italiens Fußballfrust ist allgegenwärtig: Die Nationalelf scheiterte zum dritten Mal in Folge an der WM-Qualifikation und Bergamo schied frühzeitig aus der Champions League aus. Auch im Europacup stehen Bologna und Florenz unter Druck, nachdem die Viertelfinal-Hinspiele verloren gingen.
Doch es gibt Ausnahmen: Como, ein beschaulicher Ort im Norden Italiens, macht Schlagzeilen nicht nur wegen seiner idyllischen Lage am gleichnamigen See. Der dortige Klub, vormals AC Como und nach mehreren Insolvenzen umbenannt in Como 1907, spielt nun erstklassig und hat das Potential, europäische Wettbewerbe zu erreichen. Mit einem Stadion für 13.000 Besucher direkt am See zieht es bald internationale Fans an.
Como 1907 steht aktuell auf einem guten Europacup-Platz und könnte in naher Zukunft sogar um die Champions League mitspielen. Der Tabellenführer Inter reist schon bald nach Como, und ein Pokalfinale gegen einen Mailänder Klub steht ebenfalls bevor. Doch nicht nur die Erfolge ziehen Aufmerksamkeit auf sich – es ist der Fussballstil von Trainer Cesc Fàbregas, der den Calcio neu belebt.
Fàbregas bringt eine frische, offensiv ausgerichtete Spielweise mit, die Italien bisher vermisste. Er macht Tempo und Freiheit zu seinem Markenzeichen, im Gegensatz zum veralteten Stil der italienischen Liga, wie es ein Dokument des zurückgetretenen Verbandspräsidenten Gabriele Gravina aufzeigt. Dieses untermauert Italiens schlechte Platzierung bei wichtigen statistischen Werten und im Nachwuchsbereich.
Der 38-jährige Fàbregas, gebürtig aus dem katalanischen Arenys de Mar, brachte früh sein Talent auf den Platz. Von Barcelona nach Arsenal wechselte er als Teenager, wo er unter Arsène Wenger zum Star avancierte. Auch in der spanischen Nationalmannschaft prägte er die goldene Ära durch entscheidende Tore und Auftritte.
In Como setzt sich Fàbregas’ Innovationsgeist fort: Er experimentiert mit verschiedenen taktischen Systemen, nutzt Technologie im Training und optimiert das Spielerlebnis. Eine indonesische Investition ermöglichte den Klub-Aufstieg und ambitionierte Zukunftspläne.
Die klare Vision von Präsident Mirwan Suwarso: die Champions League als normalen Zustand zu etablieren. Als Teil des Aufsichtsrates, zusammen mit Prominenten wie Thierry Henry und Fàbregas selbst, treibt er diese Pläne voran.
Fàbregas bleibt in Como aus Überzeugung: Hier kann er wachsen, ohne den Druck großer Klubs zu spüren. Als erster ausländischer Trainer wurde ihm der Enzo-Bearzot-Preis verliehen – eine Auszeichnung für seine mutige Herangehensweise an das italienische Fußballerbe. Die Herausforderung bleibt: Wie kann man die italienischen Werte mit seiner innovativen Spielphilosophie vereinen?