Wieder sind Menschen um den Mond geflogen, doch die Artemis-2-Mission stellt einen entscheidenden Fortschritt auf dem Pfad zu einer permanenten Mondstation dar. Die Crewmitglieder Reid Wiseman, Christina Koch, Victor Glover und Jeremy Hansen haben sich weiter von der Erde entfernt als je zuvor. Während ihrer Reise entdeckten sie bisher unerforschte Regionen auf der Rückseite des Mondes und schickten bemerkenswerte Fotos zurück. Doch rechtfertigt dies den Aufwand dieser Mission?
Im Jahr 1968 war die Apollo-8-Mission, die erstmals den Mond umkreiste, ein bahnbrechender Erfolg. Das berühmte Bild der Erde als kleine blaue Kugel im All verankerte sich tief in das kollektive Bewusstsein einer ganzen Generation und ebnete den Weg für die folgenden historischen Mondlandungen.
Die Artemis-2-Mission mag zunächst weniger spektakulär erscheinen, da eine Umrundung des Mondes bereits 1968 gelang. Doch ihr Zweck geht weit über diesen Meilenstein hinaus. Sie ist ein integraler Bestandteil eines ehrgeizigen Plans, den Nasa-Direktor Jared Isaacman Ende März vorstellte: In den nächsten zehn Jahren plant die Nasa den Bau einer Mondstation zur dauerhaften menschlichen Präsenz.
Die Mission geht über einen einfachen Flug um den Mond hinaus. Der Erfolg von Artemis-2 legt den Grundstein für dieses ehrgeizige Ziel und könnte eine neue aufregende Phase in der Geschichte der Raumfahrt einleiten. Die Mission nutzte die Orion-Raumkapsel, die mehr Platz bietet als ihre Vorgängerin aus der Apollo-Zeit, sicherer ist und potenziell wiederverwendet werden kann. Dies könnte zukünftige bemannte Mondflüge kosteneffizienter machen. Während des Fluges wurde bestätigt, dass die Lebenserhaltungssysteme einwandfrei funktionieren und die Crew die Raumkapsel effektiv steuern konnte – beides entscheidende Voraussetzungen für den Bau einer Mondstation.
Nach dem neuen Nasa-Plan sollen ab 2036 kontinuierlich vier Astronauten auf dem Mond leben, ähnlich der Besatzungsrotationen an Bord der ISS. Kernkraftwerke und Solaranlagen sollen die Energieversorgung sicherstellen, ein Satelliten-Kommunikationsnetzwerk die Verbindung zur Erde gewährleisten, und ein kleiner Industriekomplex ermöglicht die Nutzung von lokalen Ressourcen wie Wasser, Mondstaub oder Metallen.
Dieses Vorhaben stellt bisherige Weltraumambitionen in den Schatten. Während die ISS und Tiangong als einzige Aussenposten der Menschheit im Erdorbit liegen, liegt der Mond fast 400.000 Kilometer entfernt. Eine dortige Station muss extremen Temperaturen, hoher Strahlung und schädlichem Mondstaub widerstehen. Während Anlandungen an Raumstationen einfach sind, erfordert jede Mission zum Mond sicheres Landen und Starten auf dessen Oberfläche.
Für den Bau der Station müssen Raketen mehr als 200 Tonnen Material vom Erdboden auf den Mond transportieren – eine Herausforderung, die derzeit etwa 60 unbemannte Landungen erfordern soll. Ab 2028 plant die Nasa zweimal jährlich bemannte Landungen im Rahmen der Artemis-Missionen.
Langfristig soll die Basis als Forschungs- und Wirtschaftsstandort dienen, sogar als Sprungbrett für Marsmissionen. Der Nasa-Plan ist jedoch komplex und birgt viele Risiken; so gibt es zum Beispiel noch keine neue Mondlandefähre.
Trotzdem kann Artemis-2 als großer Erfolg gewertet werden. Die Mission war vollständig erfolgreich und weckte weltweit erneut Begeisterung für die Raumfahrt. Als Menschheit wagen wir uns wieder weiter ins All vor – ein bedeutender Schritt auf dem Weg zur Besiedelung eines neuen Himmelskörpers.