Am Mittwochmorgen in den Frühlingsferien üben sich 30 Mädchen und junge Frauen im Alter von sechs bis 16 Jahren auf der Zehndermatte in Gränichen AG im Fussball. Der Verein FI9 hat das Girls Football Camp organisiert, dessen Motto lautet: «Wir für den Mädchen- und Frauenfussball». Jessica, neun Jahre alt und zum ersten Mal dabei, findet das Camp toll: «Die Trainerinnen sind sehr nett, und das Essen schmeckt ausgezeichnet.» Sie spielt in einem gemischten Verein mit Jungen und träumt davon, Profi-Fussballerin zu werden, inspiriert von Vorbildern wie Lia Wälti, Alisha Lehmann und Jess Fishlock.
Nicht alle Teilnehmerinnen streben eine Profikarriere an. Ihnen gefällt der Teamsport, das Knüpfen neuer Freundschaften, gemeinsames Essen und das Lernen von Neuem. Die meisten Fussballerinnen des Camps stammen aus den Kantonen Aargau und Solothurn.
Stephanie Erne, Geschäftsführerin und Mitgründerin von FI9, gründete den Verein zusammen mit Freundinnen der verstorbenen Schweizer Nationalspielerin Florijana «Flo» Ismaili. Nach einem tragischen Badeunfall im Comersee starb Ismaili 2019. Sie war seit 2011 bei den Berner Young Boys und Kapitänin des Teams in der höchsten Liga, mit 33 Länderspielen für die Schweiz.
Nach dem Unfall traf sich das Gründerteam mit Flos Familie und entschied, ihren Traum vom Frauenfussball zu verwirklichen. FI9 bietet monatliche kostenlose Trainings und organisiert Fußballcamps wie in Gränichen. Der Verein ist an sieben Orten aktiv: Bern, Basel, Gränichen, Luzern, Neuenburg, Staad und Zürich. Die Camps im Frühling und Herbst sind kostenpflichtig, aber mit einer Kulturlegi teilweise kostenlos.
Stephanie Erne betont die Vorteile des ausschließlich weiblichen Trainings: Niedrigere Hemmschwelle, da manche Mädchen sich schämen, gegen Jungs zu spielen. Die Gespräche kreisen oft um mehr als nur Fussball. Der Schweizerische Fussballverband verzeichnet eine Zunahme von Mädchenteams dank der Frauenfussball-Europameisterschaft 2025 und verstärkter Förderung.
Der Vereinsname FI9 ehrt Florijana Ismaili, deren Rückennummer 9 bei YB war. Stephanie Erne betont, dass Flos familiäre Werte im Verein weiterleben sollen: «Wir möchten ihre Visionen und Träume am Leben halten, genau wie sie in unseren Herzen lebt.
Regionaljournal Aargau Solothurn, 8.4.2026, 17:30 Uhr