In Ungarn zeichnet sich eine außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung ab. Neun Stunden nach der Öffnung der Wahllokale um 6 Uhr morgens haben bereits etwa 66 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, wie die zentrale Wahlbehörde berichtet. Dies übertrifft deutlich die Beteiligungsrate von knapp 53 Prozent zum gleichen Zeitpunkt bei den Wahlen im Jahr 2022.
Die diesjährige Wahl wird als eine der entscheidendsten seit dem Übergang zur Demokratie in den Jahren 1989/90 angesehen und könnte die Regierungszeit von Ministerpräsident Viktor Orban beenden. Der amtierende Premierminister zeigte sich optimistisch und erklärte nach seiner Stimmabgabe in Budapest: «Ich bin hier, um zu gewinnen.»
Peter Magyar, der Oppositionsführer, beschrieb die Wahlen als eine historische Richtungsentscheidung zwischen Ost und West. Der Chef der Tisza-Partei gab sich ebenfalls optimistisch nach seiner Stimmabgabe in Budapest: «Unsere Partei wird diese Wahl gewinnen.» Magyar versprach im Falle eines Sieges, sofort gegen Korruption vorzugehen, die von der EU eingefrorenen Mittel freizugeben und die Position Ungarns innerhalb der EU sowie der NATO zu stärken. Zudem rief er die Wähler dazu auf, etwaige Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe zu melden.
Orban hingegen präsentierte die Wahl als eine Entscheidung zwischen «Krieg und Frieden». Er warf Magyar vor, Ungarn in den Konflikt Russlands mit der Ukraine ziehen zu wollen, was von Magyar bestritten wird. Orban sieht zudem Europa auf dem Weg in eine große Krise und betonte die Notwendigkeit einer starken nationalen Einheit.
Nach drei Jahren wirtschaftlicher Stagnation und steigenden Lebenshaltungskosten herrscht Unzufriedenheit mit der Regierung unter Orban vor. Berichte über die Bereicherung regierungsnaher Oligarchen verstärken diesen Unmut.
Dennoch bleibt das Ergebnis der Wahlen ungewiss, da viele Wähler noch unentschlossen sind. Die Umverteilung von Wahlkreisen zugunsten Orbans könnte ebenfalls einen Einfluss haben, während die Unterstützung vieler Ungarn in den Nachbarländern für seine Partei ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist.
Insgesamt sind rund acht Millionen Bürger wahlberechtigt. Die Wahllokale schließen um 19 Uhr und es werden keine Wahlumfragen oder Hochrechnungen veröffentlicht. Teilergebnisse werden gegen Abend erwartet.
SRF 4 News, 12.4.2026, 14:00 Uhr