In Augusta triumphiert Rory McIlroy dank seiner Kreativität zum zweiten Mal in Folge im US-Masters. Dieses Turnier zeigt zudem, dass die LIV-Golfserie zunehmend an Boden verliert. Es ist eine grundlegende Erkenntnis für Golfspieler: Ein weiter Abschlag ist wertvoll – vorausgesetzt, er landet nicht im Unterholz. Diese Herausforderung verdeutlicht sich besonders auf den von Kiefern gesäumten Bahnen des Augusta National Golf Clubs. McIlroy zeigte am Freitag nach der zweiten Runde seine Stärken, indem er trotz misslungener Abschläge einen Vorsprung von sechs Schlägen herausarbeitete. Der Nordire hatte bereits zuvor 2011, 2012 und 2014 die anderen drei Grand-Slam-Turniere gewonnen. Die Frage war, ob McIlroy den Schlüssel gefunden hat, um selbst mit Fehlern auf dem anspruchsvollen Platz erfolgreich zu sein. Am Sonntag krönte er seine Leistung zum zweiten Mal in Folge mit einem Sieg beim 90. US-Masters – ein Erfolg, der bisher nur Jack Nicklaus, Nick Faldo und Tiger Woods gelungen war. McIlroys Endbilanz von zwölf Schlägen unter Par reichte knapp aus, da sein Vorsprung nach dem Freitag ständig schmolz. Am Ende siegte er mit einem einzigen Schlag Vorsprung vor Scottie Scheffler und zwei Schlägen vor Justin Rose, Tyrrell Hatton, Russell Henley und Cameron Young. Als er den entscheidenden Putt auf dem 18. Grün versenkte, jubelte McIlroy lautstark – bei der Siegerehrung bedankte er sich mit Tränen in den Augen: «Ich bin so froh, dass sie das erlebt haben», sagte er zu seiner anwesenden Familie. Seine Eltern hatten ihn einst trotz finanzieller Knappheit gefördert und miterlebten nun seinen Triumph nach einem schwierigen Samstag. Dann kam Druck von Scheffler, der die letzten beiden Masters gewann. McIlroys Kreativität rettete den Sieg, etwa am letzten Loch mit einer riskanten, aber präzisen Rettungsaktion unter den Bäumen. Der Gewinn des begehrten Green Jackets und eines Preisgeldes von 4,5 Millionen Dollar waren der Lohn. «Golf ist die Sportart mit den größten mentalen Herausforderungen», sagte er bei der Pressekonferenz. Im Gegensatz dazu zeigt sich das Schicksal der einstigen Stars der PGA-Tour, die zur LIV-Golfserie gewechselt waren, düster. Nur zehn von ihnen wurden zum Masters eingeladen – so wenige wie noch nie. Während Hatton einen respektablen dritten Platz erreichte, schieden fünf andere bereits nach der zweiten Runde aus. Sergio García und Jon Rahm gehörten zu den enttäuschenden Teilnehmern; García erhielt eine Verwarnung für unsportliches Verhalten. Die Leistungen der ehemaligen Weltklasse-Golfer riefen Kritik hervor, darunter Brandel Chamblee, der die veränderte Spielweise auf einfacheren Plätzen kritisierte. Spieler wie Patrick Reed und Brooks Koepka versuchen nun eine Rückkehr in die PGA-Tour. Während McIlroy triumphieren konnte, zeigt sich LIV-Golf als wirtschaftlicher Misserfolg mit einem Verlust von 1,4 Milliarden Dollar bis 2024. Das Turnier unterstreicht den zunehmenden Abstieg der Serie.