In Budapest feierten hunderte junge Menschen die ganze Nacht am Donauufer ausgelassen. Der Grund: 16 Jahre lang hatte Viktor Orban nahezu allmächtig regiert, doch nun erlebte er eine vernichtende Niederlage. Er gewann nur 13 von 106 Wahlkreisen – trotz intensiver Manipulation dieser Gebiete zu seinen Gunsten. Sogar auf dem Land, wo seine Unterstützung traditionell stark war, wurde Orban ohne Gegenwehr abgewählt.
Im Wahlkampf behauptete Orban, die größten Gefahren für Ungarn stammten von einem möglichen ukrainischen Angriff und einer feindlich gesinnten EU in Brüssel. Seine Wähler glaubten ihm diese Argumente nicht mehr, was zur Auflösung der Fidesz-Herrschaft führte.
Interessanterweise besiegte Peter Magyar Orban mit dessen eigenen Strategien: Konservatismus und Patriotismus. Politologin Eszter Kováts erklärte im SRF-Interview, dass viele Menschen Magyar als Gegenbild zu Orban sahen, obwohl er bis vor zwei Jahren eng mit der Fidesz verbunden war.
Ernst Gelegs, langjähriger ORF-Korrespondent für Ungarn, beschreibt Magyar als einen bürgerlich-liberalen Politiker ähnlich dem früheren Orban. Auch wenn diese Eigenschaften nicht unbedingt auf ein politisches Wunderkind hinweisen, reichten sie aus, um den laut Trump “stärksten Anführer Europas” zu stürzen.
Orban hinterlässt ein Land mit maroden Infrastrukturen und finanziellen Engpässen durch blockierte EU-Hilfsgelder von rund 17 Milliarden Euro. Magyar muss nun schnell handeln, um diese Blockaden aufzuheben, was Kompromisse erfordern wird.
Magyars Ruf ist nicht untadelig; es gibt Berichte über fragwürdiges Verhalten, die teilweise als Fidesz-Verleumdungen abgetan werden. Magyar muss nun seine politische Unerfahrenheit überwinden und zeigen, dass er den Anforderungen seines neuen Amtes gewachsen ist.
Österreich- und Osteuropa-Korrespondent Peter Balzli berichtet seit 2016 aus dieser Region. Er studierte Wirtschaft und Medienwissenschaften in Bern und Berlin, absolvierte die Ringier-Journalistenschule und arbeitete ab 1995 für SRF.