Im Erdgeschoss des Firmengebäudes von Tour de Suisse Rad AG in Kreuzlingen stehen Fahrräder aller Art zum Probefahren bereit. Reto Meyer, Co-Chef und Inhaber, zeigt die Produktionshalle im ersten Stock. Hier baut das Unternehmen Räder vom Rahmen bis zur Fertigstellung. Die Aluminiumrahmen aus Asien werden in einem grossen Lackierofen behandelt, der laut Meyer an einen riesigen Pizzaofen erinnert und rund zwei Drittel des Stromverbrauchs beansprucht.
Rund 70 % des benötigten Stroms stammt von der Sonnenstromanlage auf dem Firmendach. An kalten Tagen unterstützt CO₂-neutrales Biogas aus der Region die Heizung, wenn Luftwärmepumpen nicht ausreichen. Der Wechsel zu erneuerbaren Energien sorgt laut Meyer für berechenbare und niedrige Energiekosten, ungeachtet der turbulenten Öl- und Gasmärkte durch den Nahost-Konflikt.
In den letzten Jahren konnte das Unternehmen seinen Energieverbrauch kontinuierlich senken. Ein weiterer Schritt ist geplant: der Kauf einer Batterie, deren Preis sich seit Meyer’s erster Überlegung vor vier Jahren mehr als halbiert hat.
Die fertig lackierten Rahmen durchlaufen eine Prüfung und Reinigung des Steuerlagers. Verschiedene Teile werden am Rahmen befestigt, während ein Roboter beim Zentrieren der Laufräder unterstützt – eine Aufgabe, die von Hand deutlich länger dauert. Reto Meyer ergänzt: “Alle, die schon selbst zentriert haben, wissen das.” Schliesslich erfolgt die Montage aller Teile und eine abschließende Qualitätskontrolle.
Das fertige blaue E-Bike weist äusserlich keine Umstellung auf saubere Energien auf. Meyer betont jedoch: “Es ist die Geschichte, die wir erzählen, die attraktiv ist.” Die Verpackung erfolgt minimal und ohne Kunststoff in wiederverwendbaren Kartons – ökologisch sinnvoll und ökonomisch.
Viele produzierende Unternehmen haben sich in den letzten Jahren der Dekarbonisierung verschrieben. Im Vergleich zum Verkehrssektor sind die CO₂-Emissionen in der Industrie zurückgegangen, doch über die Hälfte der in der Schweiz verbrauchten Energie ist immer noch fossil. Um die Auslandsabhängigkeit zu reduzieren und Klimaziele zu erreichen, bleibt viel zu tun.