Ein Porträt von jemandem, dessen Talent unbestritten ist, der aber auch die Frage aufwirft: Kann Politik wie ein Businessplan funktionieren? Jonas Lüthy hat bereits vor Beginn des Gesprächs am Mittwochmorgen im April seinen Platz in einem Basler Café eingenommen. Er ist aktuell eine der zentralen Figuren innerhalb der FDP, ein Hoffnungsträger für die Zukunft einer Partei in der Krise.
Seine Pünktlichkeit spiegelt wider, was er als Präsident der Schweizer Jungfreisinnigen verkörpert: eine Partei, die aktiv ihre Zukunft gestaltet und ihren Niedergang nicht mehr verwaltet. Lüthy steht für «konsequente bürgerliche Politik», die den Menschen im Land wirklich etwas bringt – staatstragend, aber ohne Staatswucher. Er betont Mut und Voranschreiten als notwendig.
Am Dienstag wird er an einer Medienkonferenz seine Ideen präsentieren, um Glaubwürdigkeit zu demonstrieren. Er ist der Kopf hinter der Verwaltungsbremse, einer Volksinitiative, die von den Jungfreisinnigen lanciert wurde und prominente Unterstützung von GLP bis SVP genießt. Diese Initiative fordert, dass Personalausgaben nicht stärker ansteigen als der Schweizer Medianlohn.
Lüthy ist sich bewusst, dass seine Partei es selten schafft, gute Ideen in erfolgreiche Politik umzumünzen. «Wir müssen tragfähige Angebote machen», sagt er. Die Initiative beinhaltet Ausnahmen wie den ETH-Bereich und die Berufsbildung und zielt darauf ab, ohne Jobverluste übermäßiges Verwaltungswachstum zu stoppen.
Diese Pragmatik mag logisch erscheinen, birgt aber auch etwas Berechnendes. Lüthy ist der Meinung, dass es couragiert sei – so wie bei der Initiative für ein höheres Rentenalter. Seine Herangehensweise ist strategisch und durchdacht, was ihm den Status als Hoffnungsträger sichert.
Lüthys Werdegang könnte am Reissbrett entstanden sein: Er gewann Debattierwettbewerbe, debattierte gegen die damalige Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und trat mit 16 Jahren den Jungfreisinnigen bei. Mit 21 war er Präsident. Nach dem Militär begann er seine berufliche Laufbahn bei Novartis und studiert derzeit Jura in Freiburg.
Er findet Ausgleich im Parkour, einer Bewegungsmethode zur effizienten Hindernisüberwindung – eine Metapher für seinen politischen Weg. Er hat das Generalsekretariat des Jungfreisinns professionalisiert und achtet auf einen sauberen digitalen Auftritt.
Lüthy ist kein Getriebener, der unbedingt Macht oder Geld sucht, sondern er setzt auch auf Provokation als politisches Stilmittel. Er bietet sich an, die Operation Libero zu übernehmen, da diese ihrer Verantwortung nicht nachkomme. Solche Aktionen bringen ihm Aufmerksamkeit ein.
Seine rhetorischen Fähigkeiten werden geschätzt; er wird oft in Diskussionsrunden eingeladen und ist bekannt für seine kontrollierte Rolle in der Politik, ohne private Einblicke zu geben. Doch ob sein kalkuliertes Auftreten wirklich ein Erfolgsrezept ist, bleibt fraglich. Es fehlt das Spontane, was in der Schweizer Politik von großer Bedeutung ist.