PFAS-Chemikalien gelangen über kontaminiertes Wasser und belastete Böden in unsere Nahrungsmittel. Im Kanton St. Gallen überschritten mehrere Bauernhöfe in jüngster Zeit die zulässigen Höchstwerte für PFAS im Fleisch. Der Kanton unterließ jedoch das erforderliche Einschreiten, was gegen Bundesrecht verstieß. Nun erhöht der Bund den Druck: SRF-Recherchen offenbaren eine Weisung zur Verpflichtung der Kantone zum Handeln. Das elfseitige Dokument legt Verkaufsverbote für Eier und Fleisch fest und bestimmt erforderliche Tests bei PFAS-Anhaltspunkten.
Mark Stauber vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) erläutert: “Die Höchstwerte sind nicht neu. Abwartendes Verhalten ist keine Lösung.” Die Weisung könnte weitreichende Konsequenzen haben, etwa monatelange Verkaufsverbote für Bauernhöfe mit zu hohem PFAS-Gehalt im Rindfleisch.
Die Ostschweizer Kantone lehnen die aktuelle Form der Weisung ab, da sie die Existenz vieler landwirtschaftlicher Betriebe gefährden würde. Sie fordern unverhältnismäßige Begleitmaßnahmen und hinterfragen wissenschaftliche Grundlagen für Blutgrenzwerte bei Tieren.
Auch Zürich kritisiert das vorgeschlagene Verkaufsverbot und plädiert für ein “Gesamtpaket” aus Selbst- und staatlichen Kontrollen sowie zusätzlichen Maßnahmen. Nur wenige Kantone, wie Neuenburg oder Basel-Stadt, unterstützen die Weisung uneingeschränkt. Andere bringen einzelne Kritikpunkte vor.
In den betroffenen Hotspots im Nordosten St. Gallens und Appenzell Ausserrhodens wird eine PFAS-Belastung durch ehemals als Dünger verwendeten Klärschlamm vermutet. Der Regierungspräsident Beat Tinner von St. Gallen fordert parallel zur Einhaltung bundesweiter Vorgaben Unterstützungen für betroffene Bauern, einschließlich finanzieller Entschädigungen.
Obwohl PFAS-Probleme auf spezifische Gebiete beschränkt sind – nur ein kleiner Teil der untersuchten Proben überschritt die Grenzwerte – bereiten die Ostschweizer Kantone Gesuche um Finanzhilfen vor und entwickeln einen nationalen Aktionsplan.
Das BLV betont, dass finanzielle Unterstützungsmaßnahmen hauptsächlich von den Kantonen getragen werden sollten. Der Fokus liegt auf der Sicherstellung sicherer Lebensmittel für die Bevölkerung.
Parlament und Bundesamt diskutieren darüber, belastetes Fleisch mit unbelastetem zu mischen, um die Einhaltung des Höchstwerts zu gewährleisten. Das Parlament hat diesen Grundsatzbeschluss bereits gebilligt. Der Umsetzungsplan soll von der BLV im Sommer vorgelegt werden.