Nach 16 Jahren endet Viktor Orban’s Amtszeit in Ungarn mit dem Wahlsieg von Peter Magyar und seiner Partei Tisza, die eine Zweidrittelmehrheit im Parlament errungen hat. Der neue Ministerpräsident tritt die Nachfolge seines Vorgängers an, der kulturelle Freiheiten stetig eingeschränkt hatte und hohe Posten mit regierungsnahen Erzkonservativen besetzte.
Die Schweizer Schriftstellerin Ilma Rakusa, mehrfache Preisträgerin unter anderem des Schillerpreises, Schweizer Buchpreises und Kleist-Preises, lebt in Zürich. Sie hat sich mit ihren Übersetzungen aus dem Russischen, Französischen, Serbokroatischen und Ungarischen einen Namen gemacht.
In einem Gespräch mit SRF äußert Rakusa ihre Begeisterung über den Wahlsieg von Magyar: “Begeistert! Auf diesen Moment hat man lange gewartet. Alle meine Freunde und Freundinnen aus der Schriftsteller- und Kunstszene hoffen, dass eine bessere Zeit kommt.” Obwohl Magyar als Rechtskonservativer gilt, ist Rakusa zuversichtlich: “Ich hoffe nicht, dass es böse Überraschungen gibt. Er scheint offen genug zu sein, um der Kulturszene die notwendige Freiheit zu gewähren.”
Rakusa hebt die reichhaltige ungarische Kulturlandschaft hervor, mit zwei Literaturnobelpreisträgern wie Imre Kertész und László Krasznahorkai. Sie betont: “Die Kulturszene hofft auf mehr Freiraum und ausreichende Finanzierung.”
Um die ungarische Kultur von staatlicher Einmischung zu befreien, spricht sich Rakusa für Maßnahmen zur Sicherstellung der Medien- und Meinungsfreiheit aus. Sie kritisiert die Monopolisierung staatlicher Sender unter Orban und sieht eine freie Medienszene als Voraussetzung für kulturelle Freiheiten.
Rakusa fordert zudem, dass Magyar seine Regierung mit Personen besetzt, die eng mit Künstlern zusammenarbeiten wollen, und betont die Notwendigkeit der Aufhebung der Zensur. Sie beklagt indirekte Formen der Zensur, wie das Aussondern von LGBTQ-bezogenen Büchern.
Im Gespräch zeigt sich Rakusa optimistisch: “Magyar hat bereits erste Schritte unternommen und einen transparenten Wahlkampf geführt. Ich hoffe, dass sich die Situation der ungarischen Kultur bald verbessert.” Sie fordert, dass Magyar schnellstmöglich Fidesz-Mitglieder durch kooperationsbereite Personen ersetzt.
Radio SRF2 Kultur, Kultur-Aktualität, 13.4.2026, 17:10 Uhr.