Goldman Sachs baut rasch seine Vermögensverwaltung für professionelle und private Kunden aus, mit der eigenen Investmentbank als Magnet. Das Hauptquartier in New Yorks unscheinbarem Hochhaus an der 200 West Street verkörpert den exklusiven Charakter des Instituts: großes Understatement gepaart mit Selbstbewusstsein. Die Bank muss nicht werben – ihre Zielkunden wissen, wo sie zu finden ist.
Früher war Goldman Sachs vor allem durch seine Investmentbank und das Handelsgeschäft bekannt, doch hat die Vermögensverwaltung inzwischen an Bedeutung gewonnen. Diese Sparte verwaltet nicht nur institutionelle Anlagen von Pensionskassen oder Staatsfonds, sondern auch die Vermögen sehr wohlhabender Privatkunden.
CEO David Solomon sieht darin einen wichtigen Hebel für eine breitere Bankausrichtung, besonders nach Gewinnschwankungen in der Pandemie. Während Konkurrenten wie JP Morgan und Morgan Stanley im Retail- oder Vermögensgeschäft Fuß fassen konnten, bleibt Goldman Sachs stark vom Handelsgeschäft abhängig – was sich zuletzt in einem Aktienrückgang von 1,9 Prozent widerspiegelte. Trotzdem liefert die Vermögensverwaltung stabile und steigende Gewinne: Im letzten Quartal 4,1 Milliarden Dollar, ein Zuwachs um 10 Prozent.
Mit derzeit 3,72 Billionen verwaltetem Kundenkapital zeigt sich eine beeindruckende Entwicklung, obwohl die UBS mit gut 7 Billionen noch größer ist. Die Gewinnmarge vor Steuern beträgt 25 Prozent – ein beachtlicher Wert.
Zuvor musste Goldman Sachs Lehrgeld zahlen: Projekte wie der Bau einer Kleinbank oder der Verkauf von Apple Card-Geschäft an JP Morgan zeigten, dass die Konzentration auf reiche Kunden die Stärke des Hauses ist. Mit durchschnittlichen Kundenvolumen von 80 Millionen Dollar verbindet sich das Asset Management mit Unternehmern, die nach einem Börsengang oder Verkauf ihrer Firma Vermögensberatung suchen.
Marc Nachmann, globaler Leiter des Asset & Wealth Managements, beschreibt Goldman Sachs als einen exklusiven Klub für Superreiche, wo Kunden sich austauschen können. In Krisenzeiten wie dem Iran-Krieg wenden sich mehr Kunden an die Bank, um Rat zu erhalten.
Goldman Sachs organisiert regelmäßig Veranstaltungen, um den Austausch unter Kunden zu fördern und ein exklusives Ambiente zu schaffen. Die internationale Kundschaft vertraut auf langfristige Anlagen mit einem hohen Anteil an illiquiden Produkten.
Privatmarktanlagen sind ein Wachstumstreiber, obwohl sie aktuell durch Sorgen über die Qualität von Private Credit in der Kritik stehen. Nachmann betont jedoch, dass Goldman Sachs solide bleibt und strenge Underwriting-Standards verfolgt – mit weniger als fünf Prozent realisierter Transaktionen.
Die Diskussion um die Solidität dieser Anlagen beschäftigt auch Kunden von Goldman Sachs, doch sieht das Institut derzeit keine systematischen Probleme. Marc Nachmann ist überzeugt: Geduld und Disziplin im Private-Credit-Geschäft sind entscheidend für den Erfolg.