In der Nähe von Zürich warten bei minus 196 Grad Celsius einige Körper darauf, eines Tages wieder zum Leben erweckt zu werden. Wir haben uns mit ihnen beschäftigt.
Acht Minuten hat man im Durchschnitt Zeit, einen Menschen nach einem Herzstillstand ins Leben zurückzuholen. Bei sehr niedrigen Temperaturen verlängert sich diese Zeitspanne für die Helfer sogar auf bis zu eine Stunde. Die Kälte verlangsamt alle körperlichen Funktionen, sodass Zellen mit weniger Sauerstoff auskommen und langsamer absterben. Auf dieser Basis beruht die Technik der Kryonik. Nach einem Herzstillstand soll ein Mensch direkt in flüssigem Stickstoff tiefgekühlt werden, wodurch der Sterbeprozess gestoppt wird. Kryoniker lassen ihren Körper für eine mögliche zukünftige Wiederbelebung konservieren – mit der Hoffnung, dass die Medizin eines Tages ihre Krankheiten heilen und ihr Alter rückgängig machen kann.
Die Frage stellt sich: Wie funktioniert Kryonik?
Dieses Thema interessiert uns, weil Kryokonservierung bereits in der Kinderwunschmedizin Anwendung findet. Eizellen, Samenzellen und sogar Embryos werden eingefroren und später wieder aufgetaut. Nach demselben Prinzip werden Bakterienstämme, Pilze oder das Erbgut von bedrohten Tier- und Pflanzenarten konserviert. Ein ganzer menschlicher Körper über Jahrzehnte hinweg mittels Kryonik aufzubewahren, ist jedoch wesentlich anspruchsvoller. Dennoch versuchen es einige Zukunftsgläubige.
Wissenswert: Kryonik basiert auf der Hoffnung in die Medizin der Zukunft, die irgendwann alle Krankheiten heilen und das Alter rückgängig machen könnte. Die Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte bis dahin wollen Kryoniker überbrücken, indem sie ihren Körper nach dem Tod bei minus 196 Grad Celsius konservieren lassen. In einem Kryolager in der Nähe von Zürich wird dies so umgesetzt.
Vitrifikation oder Verglasung ist eine spezielle Technik zur Kryokonservierung. Wird das Einfrieren zu langsam durchgeführt, trocknen die Zellen aus; zu schnell, bilden sich schädigende Eiskristalle. Daher werden bei der Vitrifikation Zellen extrem schnell abgekühlt und gehen in einen glasartigen Zustand über, wodurch sie fest, aber eisfrei bleiben.
Stand der Forschung: Der Erfolg des Kryoprozesses zeigt sich erst beim Auftauen der Zellen – und letztlich auch der Menschen.
Zur Diskussion: Obwohl die Kryokonservierung bei Larven und Eizellen funktioniert, ist der Sprung zur Anwendung auf den Menschen ein großer Schritt.