Das Landesmuseum in Zürich präsentiert eine Ausstellung, die bewaffnete Auseinandersetzungen als prägende Kraft der Schweiz darstellt und den Bogen von historischen Ereignissen bis zur heutigen Zeit spannt. Der Historiker Jay Winter vom Yale College merkt kritisch an: Museen können Krieg nicht authentisch abbilden, sondern zeigen lediglich seine Spuren in unserem Leben. Diese Perspektive verfolgt die Ausstellung “Wir und der Krieg” im bedeutendsten Museum für Schweizer Geschichte.
Trotz des Fehlens von Kriegen auf eigenem Boden seit 1847 ist die Geschichte der Eidgenossenschaft durch Konflikte geprägt. Von den mythischen Freiheitskriegen bis in die Gegenwart sind Verbindungen zu militärischen Auseinandersetzungen präsent, beeinflussen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik nachhaltig.
Das Museum nimmt mit der Themenwahl eine relevante Position ein, indem es aktuelle Debatten anregt und den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart fördert. Anstelle konkreter Interpretationen bietet die Schau Impulse für das Verständnis kriegerischer Kontexte.
Die Ausstellung gliedert sich in fünf thematische Abschnitte ohne lineare Erzählweise und begeistert durch sorgfältig ausgewählte Exponate. Sie beginnt mit den bekannten, wehrhaften Eidgenossen, die mit Hellebarden und Armbrüsten kämpften. Die Darstellung von Schlachten variiert über Jahrhunderte, wie beispielhaft an der Schlacht bei Murten 1476 zu sehen ist.
Krieg war stets auch ein wirtschaftliches Unterfangen. Schon in der Frühen Neuzeit erkannten Schweizer die Bedeutung finanzieller Mittel für erfolgreiche Kriegsführung und wurden reich durch den Handel mit Kriegsressourcen, obwohl politische Abhängigkeiten kritisiert wurden.
Auch im 20. Jahrhundert spielten Waffenexporte eine Rolle in der Schweizer Wirtschaft, was zu Versorgungsproblemen führte. Ausgestellt wird zum Beispiel eine selbstentwickelte Fliegerabwehrkanone. Kriege haben weitreichende Folgen für die Bevölkerung, soziale Spannungen und Migration.
Gesellschaftliche Ordnungen verändern sich durch Konflikte: Frauen übernehmen neue Rollen im Militär und Alltag, während Männer als Beschützer gesehen werden. Die Milizorganisation der Armee prägt das alltägliche Leben.
Die Ausstellung zeigt auch künstlerische Werke zu geheimen Militäreinrichtungen und technologischen Fortschritten, die durch das Militär angetrieben wurden. Sie endet mit einem Fokus auf Friedensbemühungen und zivilgesellschaftliches Engagement für den Frieden.
Zwei Videoinstallationen rahmen die Schau: Kriegsnachrichten der Gegenwart und ein Kunstprojekt, in dem ukrainische Geflüchtete Erinnerungsgeräusche nachstellen. Die Ausstellung läuft bis zum 17. Januar 2027.