Die vollständige Regeneration der Ozonschicht wird voraussichtlich erst im Jahr 2073 abgeschlossen sein, wie die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) bekannt gab. Dies ist eine Verzögerung um sieben Jahre gegenüber früheren Prognosen von 2066, bedingt durch stärkere Emissionen bestimmter Industriechemikalien als bisher angenommen.
Die Studie, geleitet von Stefan Reimann und veröffentlicht im Fachjournal «Nature Communications», zeigt auf, dass die Schliessung des Ozonlochs sich verzögert, was zu vermehrten Hautkrebsfällen führen könnte. Diese Verzögerungen sind den fortbestehenden Emissionen von Feedstock-Chemikalien geschuldet, die trotz ihrer ozonschichtschädigenden Eigenschaften in industriellen Prozessen weiterhin eingesetzt werden.
Diese Chemikalien wie Tetrachlorkohlenstoff oder bestimmte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) sind im Montreal-Protokoll von 1987, welches die Reduktion ozonschichtschädigender Stoffe regelt, ausgenommen. Früher wurde angenommen, dass nur etwa 0,5 Prozent der produzierten Mengen in die Atmosphäre gelangen würden. Neuere Messungen zeigen jedoch, dass drei bis vier Prozent entweichen, wobei bei Tetrachlorkohlenstoff sogar mehr als vier Prozent ausgestossen werden.
Seit dem Jahr 2000 ist die Produktion von Feedstock-Chemikalien um etwa 160 Prozent gestiegen und wird weiterhin für moderne Kältemittel sowie Kunststoffe wie Teflon oder Polyvinylidenfluorid (PVDF) benötigt, das in Lithium-Ionen-Batterien von Elektroautos verwendet wird. Die Emissionen steigen vor allem in Südostasien an, besonders in China. In der Schweiz gibt es keine Produktion solcher Produkte.
Diese Chemikalien schädigen nicht nur die Ozonschicht, sondern wirken auch als starke Treibhausgase und könnten bis Mitte des Jahrhunderts einen Klimaeffekt von rund 300 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr erreichen. Dies entspricht den jährlichen Emissionen Frankreichs oder Englands. Eine kurzfristige Senkung der Emissionen ist schwierig, doch langfristig könnten alternative Substanzen eingesetzt werden, was jedoch politische Entscheidungen erfordert.