In den 1980er Jahren gelangten Musiker aus Nidwalden, wie Phil Carmen mit «On My Way In L.A.» oder Why Blood mit «Mexicana Hotel», bis nach Los Angeles und Tokio. Damals entstand im Kanton eine pulsierende Musikszene, die auch Besucherinnen und Besucher aus anderen Regionen anzog. Lokale wie das Chäslager in Stans wurden zu Treffpunkten, und sogar die Zürcher Punkszene fand sich im Hotel Eintracht in Wolfenschiessen zusammen.
Die aktuelle Ausstellung «No Time To Lose – von Stubeten, Dancings und Discos» des Nidwaldner Museums wirft einen Blick auf diese Musik- und Tanzlokale. Das Kurationsteam um Catherine Huth und Joel Wehrle sammelte dabei Geschichten direkt bei Zeitzeugen.
Joel Wehrle betont: «Wir bekamen viele Anrufe von Einheimischen, die alte Erinnerungen hervorholten – so kamen wir an Wissen, das nirgendwo archiviert ist.» Historisch gesehen waren Tanz und Musik lange Zeit reguliert, auch in Nidwalden. Wehrle erklärt: «Um die Jahrhundertwende war öffentliches Musizieren selten erlaubt, wurde aber dennoch heimlich praktiziert, besonders in der Volksmusik mit Stubeten.»
Im Zwischenkriegszeitraum etablierten sich die sogenannten «Dancings», bei denen zu Swing-Musik von Jazzbands getanzt wurde. Größen wie Coleman Hawkins spielten im Club «Dancing Matter» in Engelberg, einem damaligen Hotspot der Schweizer Jazzszene.
Nach der Aufhebung des Tanzverbots 1964 bzw. 1971 entstanden zahlreiche Lokale, die sich zu beliebten Treffpunkten entwickelten. Die Stanser Musiktage sind ein Beispiel hierfür: Aus einer Jazzreihe in den 1990er-Jahren heraus wachsen sie bis heute und finden heuer zum 30. Mal statt.
Mit dem Motto «Zwischen Kontinuität & Veränderung» feiern die Stanser Musiktage ihr Jubiläum vom 15. bis 19. April mit internationalen Musikgrößen und einheimischen Talenten in der Region. Die Ausstellung im Salzmagazin ist noch bis November 2026 zu sehen.