Eine Untersuchung von verstorbenen Pestopfern aus dem 17. Jahrhundert zeigt, dass die Verstorbenen im Durchschnitt jünger als 18 Jahre waren. Die Forschergruppe der Universität Basel entdeckte die Überreste in etwa 260 Gräbern eines Seuchenfriedhofs, der einst Teil des Barfüsser Klosters war und heute unter dem Stadtcasino von Basel liegt. Untersuchungen ergaben bei den Skeletten Anzeichen für Arthrose sowie Verschleiß an der Wirbelsäule, was darauf hindeutet, dass es sich um Jugendliche handelte, die bereits schwere körperliche Arbeit verrichteten, so Laura Rindlisbacher von der Universität Basel. Die Archäoanthropologin und ihr Team analysierten 15 Skelette aus der letzten Pestwelle zwischen 1665 und 1670 und dokumentierten ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift Antiquity. DNA-Analysen, die nicht immer erfolgreich waren, bestätigten bei fünf Skeletten das Vorhandensein des Pesterregers Yersinia pestis, der über infizierte Flöhe auf den Menschen überspringt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass junge Menschen während dieser Epidemie besonders anfällig für die Pest waren. “Trotz des Risikos schwerer Erkrankung konnte die Notwendigkeit zu arbeiten diese Personen nicht von ihrer Arbeit abhalten”, so Rindlisbacher. Diese Pestbestattungen geben Einblick in das Leben der unteren und mittleren Gesellschaftsschichten im frühneuzeitlichen Basel, die in schriftlichen Quellen selten erwähnt werden. Die Studie zeigt auf, wie die Pest das Leben dieser hart arbeitenden Menschen erheblich verkürzte, trotz des damals stark ausgeprägten sozialen Zusammenhalts, der nicht alle einschloss. Das Forschungsteam zieht Parallelen zur Covid-19-Pandemie im Jahr 2020, bei der ebenfalls Gruppen mit niedrigem sozioökonomischem Status und weniger Zugang zu Unterstützungsnetzwerken anfälliger waren.