Die Regierung unter Ulf Kristersson hat die Digitalisierung in schwedischen Klassenzimmern deutlich reduziert, was Wirtschaftskreise kritisieren. Sie argumentieren, dass junge Schweden dadurch für den Arbeitsmarkt unzureichend vorbereitet werden.
Der Slogan «Vom Bildschirm zum Ordner» – «Från skärm till pärm» – beschreibt das Ziel der Regierung. Zuvor war Schweden Vorreiter in der Digitalisierung, mit Laptops ab 2010 und Tablets ab 2019 verpflichtend im Unterricht.
Bildungsministerin Lotta Edholm stellte die Strategie um, investierte stattdessen Millionen Kronen in Bücher und Bibliotheken. «Das ist eine Investition ins Lesen», erklärte sie, «auf Kosten der Bildschirmzeit.»
Joar Forssel, ein liberaler Bildungspolitiker, sagte zur BBC: «Echte Bücher zu lesen und auf echtem Papier zu schreiben, fördert das Wissen besser als digitale Medien.» Schüler mit viel Bildschirmzeit liegen laut internationalen Studien zurück.
Die Regierung hofft durch den Fokus auf Lesen, Schreiben und Rechnen die PISA-Ergebnisse zu verbessern. Schweden hatte früher Spitzenwerte erreicht, fiel jedoch 2012 ab. Auch 2022 gab es einen Rückgang in Mathematik und Lesekompetenz.
Die Entscheidung basiert auf Studien, die hohe Bildschirmzeiten als schädlich für Gehirnentwicklung und Leseverständnis darstellen. Ein Lehrer sagte der UNESCO zu: «Digitale Werkzeuge sind hilfreich, doch viele Schüler werden abgelenkt.»
Nun liegt der Fokus auf analogen Methoden; Handys sind verboten und Bibliotheken obligatorisch. Die Wirtschaft kritisiert die Politik für ihre potentiellen negativen Auswirkungen auf die zukünftige Arbeitsmarktfähigkeit.
Jannie Jeppesen, ehemalige Lehrerin und Leiterin des Swedish Edtech Industry Verbands, betonte zur BBC: «Digitale Grundkenntnisse sind heute unerlässlich.» Sie befürchtet negative Folgen für Innovation und Unternehmertum.
Ein OECD-Bericht zeigt gemischte Resultate im Mathematikunterricht mit digitalen Geräten, die zwar ablenkend wirken, aber bessere Ergebnisse als ohne digitale Medien erzielen.
Schweden plant ein Handyverbot für schulische Zwecke und einen neuen Lehrplan 2028, der traditionelles Lernen noch stärker betont.