Die SBB haben ambitionierte Pläne für den Bahnhof Wollishofen: Bis 2029 soll das Areal von 6500 Quadratmetern nördlich des historischen Empfangsgebäudes umgestaltet werden. Das Baugesuch wurde nach über zehn Jahren Planungsphase eingereicht. Geplant sind zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 57 Wohnungen, die zwischen 2,5 und 5,5 Zimmer bieten. Im Erdgeschoss sollen Gewerbe- und Gastronomieflächen entstehen, zudem ein kleinerer Gewerbebau sowie eine Tiefgarage mit Plätzen für 59 Autos und 92 Fahrräder. Oberirdisch sind zusätzliche Stellplätze geplant.
Die SBB hatten zuvor von 90 Wohnungen gesprochen, davon sollten ein Drittel preisgünstig angeboten werden. Nach einer Verkleinerung des Projekts sollen nun immerhin noch 20 günstige Einheiten entstehen, was einem Anteil von 35 Prozent entspricht. Laut Reto Schärli, Mediensprecher der SBB, musste das Projekt verändert werden, da das Stellwerk neben dem Bahnhofsgebäude erhalten bleiben muss.
Für die Neubauten sind vier bestehende Gebäude weichen: ein Wohnhaus, ein flacher Gewerbebau und der historische Güterschuppen. Dieses 1928 von Meinrad Lorenz entworfene Holzbauwerk ist im Denkmalschutzverzeichnis als Objekt überkommunaler Bedeutung gelistet.
Im Zuge des Projekts soll der Güterschuppen dem Freilichtmuseum für Eisenbahnenthusiasten in Bauma einverleibt werden. Dazu wird er zerlegt und auf dem Depotareal des 1969 gegründeten Vereins Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland wieder zusammengesetzt, der sich der Erhaltung historischer Eisenbahnelemente verschrieben hat.
Solche Gebäudeverschiebungen sind selten. Ein Medienereignis war 2012 die Verschiebung eines ehemaligen Direktionsgebäudes der Maschinenfabrik Oerlikon, das in 17 Stunden um 60 Meter bewegt wurde – ein europaweites Novum.
Der Güterschuppen ist nicht das erste Gebäude am Bahnhof Wollishofen, das versetzt wird. Auch das ehemalige Empfangsgebäude im neoklassizistischen Stil wurde ursprünglich in Zug errichtet und später an den Zürichsee verbracht.
Im späten 19. Jahrhundert war es nicht unüblich, Gebäude aus Mangel an Baumaterialien zu versetzen – meist handelte es sich dabei um Holzkonstruktionen. Der Bahnhof von Wollishofen ist jedoch ein besonderes Beispiel für einen Steinbau, der Stein für Stein transportiert und neu errichtet wurde.