Mit 87 Jahren plant Peter Kraus die letzte Abschiedstournee seiner Karriere – zum achten Mal. Der Künstler, bekannt für Hits wie «Hello Sandy», äußerte sich dazu gegenüber dem Spiegel und räumt ein: Die ersten drei Tourneen dienten hauptsächlich als Verkaufsstrategie. Erst ab der vierten nahm er es ernst, während er in die Weinwelt der Südsteiermark wechselte.
Das Konzept der ewigen Wiederauflage von Ereignissen faszinierte einst auch Friedrich Nietzsche im Engadin 1881. Die Idee der “ewigen Wiederkunft” könnte auf alte Stars zutreffen, die immer wieder ins Rampenlicht zurückkehren. Ähnlich wie Adelina Patti nach Nietzsches Tod versprach, nie mehr aufzutreten – doch sie kehrte zurück.
Cher, eine Jahrhundert später bekannte Künstlerin, erklärte, dass Rückkehr entweder aus finanzieller Not oder der Sehnsucht nach Applaus geschehe. Trotz ihres Versprechens, nie wieder auf Tour zu gehen, setzte sie ihre Karriere mit neuen Projekten fort.
Ozzy Osbourne und Judas Priest verkörperten dagegen eine chaotische Rückkehrkultur, die ihren Unmut über den Begriff “Ruhestand” durch Tournamen wie “Retirement Sucks” ausdrückte. Auch Krokus feierte nach ihrer angeblichen letzten Schweizer Show einen überraschenden Comeback.
André Béchir, einflussreicher Veranstalter und Organisator von Kraus’ Konzerten, betont, dass es oft die Medien sind, die den Trubel um Abschiedstourneen schüren. Die Rolling Stones beispielsweise haben nie offiziell ihren Rückzug verkündet.
Béchir glaubt, dass sich Stars zunehmend vom “Abschieds”-Konzept verabschieden und stattdessen feste Auftrittsorte bevorzugen. Dieses Modell, bei dem Künstler wie Céline Dion oder Harry Styles in festgelegten Stadien auftreten, könnte zukünftig an Attraktivität gewinnen.
Im Gegensatz dazu steht Bob Dylan, der seit 1988 auf seiner “Never Ending Tour” unterwegs ist. Der 85-jährige Musiker hat keine Pläne für einen Rücktritt und lebt Nietzsche’s Idee der Wiederkehr in jedem Konzert.